14.07.2020 – Das Goldene Zeitalter der Freiheit – Teil 2


Endlich mal ein Info-Bus in der City mit guten Tipps. Wer weiß, was die Zukunft bringt, wir tanzen auf dem Vulkan, wir reiten auf einer Rasierklinge, wir halten den Tiger am Schwanz und haben keine Ahnung, was passiert, wenn wir loslassen. Also sollte man die verbliebene Zeit vom Rest des Zeitalters der Goldenen Freiheit nutzen, insofern finde ich obige Tipps doch zielführend. Chatten ist ja nicht so meins, aber Surfen in den Wellen des Atlantiks ist doch ne coole Sache und der Rest ist eh Bingo.
Ich bin schon länger der Überzeugung, dass der Planet über den Jordan geht, zumindest was sein Krebsgeschwür, genannt Menschheit, angeht. Ob ökologisch oder sozial, dass „wir“ so nicht weiter wirtschaften und interagieren können wie bisher, ist so klar wie die legendäre Kloßbrühe. Und da „wir“ offensichtlich was Ethik und Krisenbewusstsein betrifft immer noch durch die Wirklichkeit stapfen wie weiland die Troglodyten, ist klar, dass von der Realität kollektiver Bedrohungen kein Massenbewusstein besteht. Der gemeine Homo sapiens ist immer noch in einem Instrumentarium verhaftet, das ihn reagieren lässt, mit Flucht oder Aggression, wenn ein Säbelzahntiger angreift oder ihm die Nachbarhorde seine Weiber klauen will, aber mit einem geruchlosen Virus oder dem unsichtbaren CO2 Ausstoß ist er schon völlig überfordert. Die Bilder vom Ballermann neulich oder von feiernden Fußball-Horden zeigen eine intellektuelle und ethische Fallhöhe von Null angesichts von Corona. Und das ist die Mitte der Gesellschaft, wo Wahlen gewonnen werden. Menschen wie Du und Ich. Ich korrigiere: Menschen wie Du.
Und die Tatsache, dass hierzulande immer noch über Tempo 130 kontrovers diskutiert wird, ist nur noch grotesk. Kleine Beispiele, da fallen jeder noch Dutzende andere ein.
Bis vor einiger Zeit dachte ich, was soll’s, soll der Planet mitsamt Insassen zum Teufel gehen, nach mir die Sintflut, ich genieße das Leben, sowohl in vollen Zügen als auch in vollen Fliegern. Ich darf das, ich bin sonst einer von den Guten. Pusteblume resp. Kuchen, siehe Corona, die Rache der Natur am Primaten Nr. 1. Und das ist ja erst der Anfang.
Ab Herbst wird es eventuell (wäre ich gläubig, würde ich drum beten, dass ich unrecht habe) erst richtig lustig. Zweite Welle, zweiter Lockdown … Ob das unser bisheriges Wirtschaften verkraftet, wage ich zu bezweifeln. Der Kapitalismus wird das überleben, aber unter welchen Kosten, für den Mob? Es wird z. B. zur Vermeidung körpernaher Dienstleistungen und Produktion einen extremen Rationalisierungsschub geben. Ich hatte mein diesbzügl. Erweckungserlebnis auf dem Billigflieger-Airport Schönefeld, als ich beim Einchecken an McDoof vorbeikam. Fast komplett digitalisiert, jede konnte sich ihr Menü an einem Terminal zusammenstellen und bezahlen; und der nächste Schub wird das Roboterbraten der Klopse sein, schlimmer können die gar nicht mehr schmecken. Also selbst solche Billiglohnjobs gibt’s dann nicht mehr. Das lässt sich mit ein bisschen Phantasie beliebig ausweiten. Wobei: geflogen wird im zweiten Lockdown sowieso nicht mehr. Schönefeld ade, mit allen dranhängenden Jobs. Schade eigentlich, Reisen bildet ungemein, wie man auch an diesem Beispiel gesehen hat.
Beim allmählichen Tod vom Goldenen Zeitalter der Freiheit wird es drei Generationen geben: Eine, die es komplett erlebt und genossen hat und sich jetzt auf der Zielgeraden ihrer Existenz befindet, eine, die darin groß geworden ist, aber noch die größere Strecke und die größten Erwartungen vor sich hat, und eine, die es nur noch vom Hörensagen kennt (siehe Internet, viele Menschen können sich nicht vorstellen, dass es mal ein Leben ohne gab).
Fazit: Nutze den Tag (Kotzphrase, trifft’s aber). Und wohl dem, der der ersten Generation angehört. Oh, die böse, böse Uhr, ich muss los, das Leben genießen. In leeren Zügen.
Genießen Sie Ihren Tag, liebe Lesende.

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