21.07.2020 – Saufen für einen guten Zweck


Diese Weine erwarb ich unlängst aus einem Nachlass, dessen Erlös einem sozialen Zweck zugutekam, den ich schon wieder vergessen hab. Connaisseuren sagen die Namen etwas, die Lagen zählen zu den Großen in Deutschland. Allerdings ist nach 40 Jahren der Lack etwas ab bei Weißweinen, die unterhalb der Kategorie Auslese firmieren und damals war der deutsche Weinanbau in einer veritablen Qualitätskrise. Es war eher eine skurrile Trinkerfahrung, eines der Abenteuer, die Corona noch zulässt in Zeiten von Cocooning, und saufen für einen guten Zweck ist ja eh jenseits aller Kritik. Das Foto fiel mir wieder ein und in die Hände, als gestern haufenweise positive Nachrichten von der Impfstofffront über den Ticker kamen. Was das angeht, bin ich Info-Junkie, Impfstoffsüchtig. Eigentlich hatte ich mich damit abgefunden, dass das in absehbarer Zeit Nichts wird mit Impfen, wenn überhaupt mal. Aber nach gestern sieht der Impfhimmel wieder rosig aus. Und Impfhimmel meint jenen Horizont, der mir Flüge in den Süden wieder riskierenswert macht. Ergo griff ich aus meinem Weinbestand die Flasche, die da für besondere Anlässe liegt, ein Fürst des Weißwein-Wesens, einer jener Tropfen, die man sonst nur vom Hörenraunen kennt, und beklebte ihn mit einem Schild: Zur Impfung trinken!
Mit so einer Pulle bin ich aber schon mal auf die Schnauze gefallen. Bei jedem freudigen Anlass dachte ich damals, da kommt noch einer, der das toppt, am Ende waren 30 Jahre ins Land gegangen und der Weißwein oxydiert. Triebaufschub, ohne diese Grundlage funktioniert Kapitalismus nicht, steckt in uns allen. Passiert mir nicht noch mal.
Prost einstweilen, ich muss los. Ackern. Sie wissen schon, Kapitalismus, solche Weine wollen bezahlt sein. Prost, liebe Leserinnen, und sonnige und vor allem unbeschwerte Tage!

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