21.09.2020 – Kurz unterhalb der Kotzgrenze


Orangenlikör mit Milch, Mallorca, und Sauerkirschlikör mit Früchten, Lissabon. Ein unausrottbares Ritual nicht nur bei mir ist es, für die Zurückgebliebenen Mitbringsel der jeweiligen Urlaubsorte in den Trolley zu packen. Ob man die damit neidisch machen will oder umbringen, ist mitunter nicht ganz klar.
Die beiden hier Abgebildeten sind mir umständehalber zu einem ungünstigen Zeitpunkt in die Hände gefallen. Abgesehen davon, dass sie sich geschmacklich nur kurz unterhalb der Kotzgrenze befinden, rühren sie an einem empfindlichen Nerv. Nämlich dem, dass ich wesentlich lieber in den Ursprungsorten dieser Gesöffe wäre als hier – je kälter die Nächte, desto lieber und schneller. Nun müssen wir hier die Corona-Leier nicht breittreten (wie sieht eine breitgetretene Leier wohl aus?), nach der das Fliegen tunlichst unterlassen werden sollte. Dieses Ferne-Gefühl hat auch mit der anschwellenden Negativ-Nachrichten-Flut zu tun. Nicht so sehr der der anschwellenden Fallzahlen, da wird uns im Herbst und Winter noch eine ganz andere Quittung seitens der Corona-Idioten serviert werden. Wie das wohl aussieht, wenn man den Masken-Verweigerern die Masken vom Gesicht reißt, sie zur Kenntlichkeit entstellt? Welche Fratze kommt da zum Vorschein? Die des reinen Faschisten oder des vollen Trottels?
Man mag es nicht mehr mit ansehen, die nackte Dummheit dieser Welt. Bestimmte Nachrichten klick ich schon gar nicht mehr an, meine soziologische Phantasie rattert schon los bei der reinen Überschrift „Oberste Richterin Bader-Ginsburg gestorben.“ Es ist ja nicht so, dass wahrscheinlich eine konservative Richterin nachrückt, das ist ein blanker Euphemismus. Die obersten Richter*innen dort sind teils schlicht reaktionär: Abtreibungsgegner*innen, gegen Obama-Care, gegen liberale Flüchtlingspolitik, für Entlastung der Reichen, etc. pp.
Da zeichnet sich hinter einer Maske von Demokratie Faschismus ab und amerikanische Verhältnisse finden zeitverzögert auch bei uns statt. Der rheinische Kapitalismus der Sozialpartnerschaft inklusive sozialer Marktwirtschaft (Spitzensteuersatz bei Papa Kohl noch bei 53 Prozent, jetzt bei 43, damals gab es noch Vermögenssteuer und Rentenniveau von über 50 Prozent, alles Schnee von gestern) wurde bei uns abgelöst vom angelsächsischen Neoliberalismus. Die Spaltung der Gesellschaft zwischen Arm und Reich ist tief wie nie und das alles wird auch Auswirkungen auf die Verfasstheit der Gesellschaft haben. Siehe USA.
Das will man alles in seinen Details gar nicht immer lesen. Dann lieber jeden Tag irgendein Gesöff kurz unterhalb der Kotzgrenze. Hauptsache vor Ort, und Sonne, Meer, Strand.
Es gibt zwei Möglichkeiten der Erlösung vom irdischen Jammertal namens Heimat:
Frau, lass Hirn vom Himmel regnen. Oder Impfstoff.

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