19.11.2020 – Abwehrkräfte stärken


Letzten Winter, irgendwo im Süden. Jetzt werden da die Orangen wieder reif, was man am Preis merkt. Zum Start eines gelungenen Süd-Urlaubs um die Jahreszeit gehören für mich zwei Rituale: Aus einem Orangenbaum eine Frucht pflücken und eintauchen die Fluten, was selbst am Atlantik mittlerweile Dank Klimawandel kein Unterfangen für Helden mehr ist. Sich unter den obwaltenden Bedingungen solche Bilder anzugucken, das grenzt schon an Masochismus. Lenkt aber andererseits auch etwas vom Tagesgeschehen ab: 22.609 Neuinfektionen. Die Zahl geht nicht nur nicht signifikant zurück, sondern steigt deutlich. Wenn das kein statistischer Ausreißer ist, sollte die Diskussion über Lockerungen, bei denen, die diskutieren können und wollen, beendet sein.
Der Mob, der weder diskutieren kann noch will, war gestern wieder zu Tausenden auf der Straße. Dass solche Demos überhaupt zugelassen werden, ist ein Skandal und basiert auf einem pervertierten Freiheitsbegriff. Die Gerichte, die solche Demos zulassen, müssen sich fragen lassen, wes Geistes Kind sie sind. Ich unterstelle solchen Richter*innen, so wie weiten Teilen der Sicherheitskräfte, eine ideologische Nähe zum Demonstrations-Mob und damit zum Faschismus. Der totalitäre Freiheitsbegriff, der bei solchen Gerichten seine Anwendung findet, lautet verkürzt wie folgt „Freiheit, Freiheit über alles, auch über das Leben von verletzlichen Individuen. Die Freiheit des Demonstrationsrechtes wird höher gewertet als das Recht des Einzelnen auf körperliche Unversehrtheit, sprich auf Schutz vor Ansteckung durch Verbot solcher Demos.“ Dieser bürgerlich-totalitäre Freiheitsbegriff fand seine Entsprechung in der Endsieg-Kampfparole des Kalten Krieges: „Lieber tot als rot“, wobei rot für maximale Unfreiheit stand. Für die Freiheit geht das Bürgertum über Leichen.
Solange es nicht die eigene ist.
Ich press mir jetzt meinen Orangensaft, das Immunsystem stärken. Abwehrkräfte sind notwendiger denn je. Sonnigen Donnerstag, liebe Leserinnen.

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