27.12.2020 – Was so alles gescheitert ist


Monatliche Entwicklung der Besuchszahlen in diesem Blog von Januar bis Oktober. Die Kurve bildet ungefähr auch den Verlauf der Epidemie ab im März erster Höhepunkt, zum Sommer abflachend und seitdem Anstieg. 2020 werden das erste Mal über 200.000 Besucher*innen auf diesen Blog zugegriffen haben, eine Zahl, ab der sich die Schaltung von Werbung lohnen würde, was nicht in Frage kommt, die aber auf jeden Fall zu einer gewissen Sorgfalt verpflichtet. Ich kann nicht einschätzen, ob das Interesse an diesem Blog, gerade in Krisenzeiten, mehr von einem Bedürfnis nach Unterhaltung, Information oder Einordnung gespeist wird. Ab und zu kriege ich ein Feedback, über das ich mich immer freue. Aber im Prinzip ist das eine Einbahnstraße, entgegen der Struktur des Mediums Internet. Man stochert also mit der Stange in der Nebel rum, quasi.
Ich erwähne das deshalb, weil mit dem Aufkommen des Internet auch Hoffnung auf eine Demokratisierung von Öffentlichkeit aufkam, gerade in jenen alternativen und linken Kreisen, die schon länger – so wie ich – auf die Möglichkeiten einer alternativen Gegenöffentlichkeit zu den herrschenden bürgerlichen Medien gesetzt hatten.
Oft wurde dabei aber nur die Struktur der bürgerlichen Medien kopiert, wie bei der Gründung von alternativen Druckerzeugnissen, z. B. bei Stadtmagazinen, Tageszeitungen oder beim Bürgerfunk, verbunden nur mit der Hoffnung, dass die Basis schon mitmachen würde. Das Prinzip der Trennung von Sender und Empfänger im medialen Prozess blieb aber erhalten, es blieb immer eine Einbahnstraße. Die Konsument*innenhaltung war nicht aufgehoben und die Basis wollte nicht so recht wie die Avantgarde und die Macher*innen, nach dem Motto „Geht Ihr schon mal vor, wir biegen erstmal rechts ab“. So ging das Projekt der Gegenöffentlichkeit den Bach runter, der Bürgerfunk z. B. ist bis auf wenige Ausnahmen mit seinen jammervollen Versuchen, die kommerziellen Privatsender zu imitieren, in einem beklagenswerten Zustand.
Das Internet bot hier eine wirklich revolutionäre Möglichkeit, hier kann jede potentiell empfangen und senden, unabhängig von teuren (Vertriebs-)Strukturen, komplexen Kenntnissen oder unübersichtlichen Kollektiven und Hierarchien.
Wie das im Fall dieses Blogs aussieht, habe ich geschildert.
Grundsätzlich ist mit der Fortentwicklung der Internetstrukturen, den sozialen Medien, ein derartiger massenhafter antiaufklärerischer Dreck in die Welt gekommen, dass ich wünschte, das Internet wäre nie geboren worden. Das ist natürlich hanebüchen naiv. Aber ich wünsch mir auch ne eigene Talkshow. Wünschen kann man immer.

Gescheitert ist übrigens auch der Versuch, den einmaligen SCHUPPEN 68 zu kopieren. Hier der schon lange verschiedene SCHUPPEN 20 am Hamburger Fischmarkt.

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