02.01.2021 – Warum ist Israel „Impf-Weltmeister“?


Chanukka Kerzen. Chanukka ist nicht das jüdische Weihnachten, wie manche glaubt, sondern erinnert an die Einweihung des Tempels in Jerusalem nach dem Sieg der Makkabäer über die hellenisierten Juden, also die Durchsetzung jener Variante des jüdischen Glaubens, wie wir ihn heute kennen. Ich kriege die Kerzen von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft zugeschickt und da ich aus dem Alter des militanten Antiklerikalismus, der zusätzlich sowas von 80er Jahre ist, raus bin, lasse ich mir gerne von den Kerzen ein warmes PC-Licht im Dämmer der trüben Wintermorgen spenden. Damit die Dinger stehen, fülle ich eine Schale mit Gartenerde, siehe Foto. Beim heutigen Erdesammeln stand ich unvermittelt Aug in Aug mit einem Reiher, der über einem unserer Teiche hockte. Ein Anblick irgendwo zwischen Erhabenheit und Skurrilität.
Die Erhabenheit ging mir bei der darauf folgenden Morgenlektüre des hiesigen Käseblatts, der HAZ, flöten. Das tut sie immer, über den Redaktionsräumen der HAZ steht in ehernen Lettern: „Lektoratsfreie Zone!“ Die obige Headline ist das Zitat der Überschrift eines HAZ-Artikels von der Titelseite. Überraschungsfrei geht der Artikel mit keiner Silbe auf die Ursachen ein, warum der Staat Israel es binnen kurzer Zeit geschafft hat, über eine Millionen Staatsbürger zu impfen, sondern schwafelt zeilenlang davon, dass Netanjahu öfter mit dem Boss irgendeines Pharmaunternehmens telefoniert, der jüdisch-griechischer Abstammung sein soll.
Ich hab noch nie gelesen, dass der VW-Chef Diess, oder wer auch immer aus den hiesigen Konzernen, katholisch-deutscher Herkunft sei. Da würde selbst einem Käseblatt-Redakteur der Griffel streiken. Aber wenn es darum geht, subkutan antisemitische Klischees nach alter Väter Sitte zu verbreiten, ist hiesigen Schreiberlingen jeder Schwachsinn rechts. Man hört schon zigfach an hiesigen Frühstückstischen empört ausrufen: „So isser halt, der Jude, mauschelt wie immer weltweit ordentlich rum und wir gucken mal wieder in die Impfröhre.“
Auf die Überlegung, dass das extrem schnelle Durchimpfen in Israel etwas damit zu tun hat, dass der Staat sich seit Gründung in einer Kriegswirtschaft befindet, weil er von fast allen Anrainern mehr oder minder nachhaltig mit der Vernichtung bedroht wird, kommt das Käseblatt nicht. Und erfolgreiche Kriegswirtschaft heißt, das wissen wir seit Moltke, innerhalb kürzester Zeit Menschen und Material maximal effizient von A nach B bewegen zu können. (Verglichen mit Israel müßten „wir“ übrigens demnächst bei über 10 Millionen Gepimpften, äh, Geimpften liegen … )
Also Happy Chanukka, wobei das Fest wohl schon vorbei ist. So sattelfest bin ich in religiösen Dingen auch nicht, obwohl sich sowas für TV-Quiz oder ähnliches als hilfreich erweisen kann.

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