03.01.2021 – Quitte mit Wodka


Volker höret die Urinale. Wer derartig ästhetisch formschön-funktionale Gefäße aus Glas für die Reifung von Obst in Alkohol noch besitzt, kann sie mir gerne zum Kauf anbieten. Sowas gibt es nur noch in Plastik, was ich für ein weiteres Indiz des anschwellenden Verfalls von Zivilisation, Kultur und Anmut halte. Aber vielleicht kommt Glas auch mal wieder.
Alles wiederholt sich. Die ewige Wiederkunft des Gleichen soll ja bei Nietzsche etwas Tröstliches haben, in der Vorstellung eines ständigen Zyklus allen Lebens liegt beim schnauzbärtigen Großdenker etwas Befreiendes. Mir geht das in Zeiten der Seuche ehrlich gesagt auf den Sack. Als Folge eines eklatanten Mangels an Ereignissen nehme ich ständig wiederkehrende Tätigkeiten wie das Wechseln von Socken, den Müll zur Tonne bringen oder Haare aus dem Gesicht schaben verstärkt, ja mitunter sehnsüchtig erwartet, wahr. Es geschieht etwas, von Wichtigkeit, von Notwendigkeit, das den Gang der Dinge hin zu einer besseren Welt befördert.
Wie armselig ist das denn. Und vor allem beschleunigt es den Lauf der Welt nur, weil diese Tätigkeiten in all ihrer Nichtigkeit im Hirn präsent sind. Ah, schon wieder an der Tonne mit dem Müll! War das nicht erst ein paar Augenblicke her? Das Leben rinnt wie Wasser durch ein Sieb.
Das Ganze bekommt eine Eigendynamik, bei der Tätigkeiten außer der Reihe wie dienstliche Obliegenheit eine inferiore Priorität erlangen. Auch das Führen dieses Blogs wird nachlässig, steht hinter der Tonne als Fixstern meiner Existenz zurück. So habe ich beim Ausmähren über die digitale Podiumsdiskussion neulich die Pointen glatt vergessen: 1. Geht mir beim Anblick des Publikums als digitale Kacheln auf meinem Bildschirm völlig die Fähigkeit flöten, Publikum lesen zu können, wie sind die drauf, was kann man denen zumuten, wo kann man improvisieren und 2. Und das ist ein unschätzbarer Vorteil von Zoom Veranstaltungen, habe ich während der fast vierstündigen Zumutung dieser Veranstaltung einfach meine Kamera ausgemacht und mich minutenlang aufs nahe Sofa gepackt, ahnend, dass der gerade wortschwallende Co-Diskutant locker 30 Minuten brauchen würde, bis er das ergriffene Wort wieder hergeben würde. Was auch eintrat. Machen Sie sowas mal live, da werden Sie mit Sicherheit nie wieder eingeladen. Was auch nicht das Schlechteste wäre.

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