08.01.2021 – Was Nun?


Kneipe. An Kneipennamen lassen sich oft, das ist keine neue Erkenntnis, die Epochen ablesen, in denen sie gegründet wurden. Und natürlich lässt sich auch die ideologische Verortung daran ablesen. Was Nun? liegt einen autonomen Steinwurf von der hannöverschen Uni entfernt und wurde Anfang der Achtziger gegründet. Der Kneipenname kann beim damaligen notorischen Hang zum Linksradikalismus nicht nur der hannöverschen Politszene als ironisierender Spätsiebziger Reflex auf Lenins „Was tun?“ gelesen werden. Darin schreibt Lenin die Rolle der Parteikader als Avantgarde der Arbeiterbewegung fest und spricht der Arbeiterklasse eine autonome Rolle als revolutionäres Subjekt im Klassenkampf ab. Für Notabiturienten: Arbeiter blöd, Partei weiß alles, auf jeden Fall aber besser. Ende der 70er war klar, dass nicht nur dieses Konzept von revolutionärer Veränderung, sondern auch alle anderen gescheitert waren. Was blieb, waren Stoßseufzer wie: „Was Nun?“
Andere gingen in den Untergrund, wie hier im um die Ecke gelegenen Sumpf,

wo es Nudeln mit Gulaschsosse für 55 Pfenning gab und wenn zwei da unten kifften, waren alle anderen auch breit, weil es keine Fenster gab. Der Laden war im Keller, unterirdisch, in jeder Beziehung. Aber er wärmte das Gemüt, so wie der hier schon mehrfach zitierte auch untergründig orientierte Maulwurf. Keine Ahnung, wie Kneipen sich heute nennen, „Treffpunkt für Arschlöcher“ oder „Halle der Blödmänner“?
Unschwer zu erkennen, aus mir spricht ein verbitterter alter weißer Mann, der sich angesichts der kumulierenden Krisen jeden Tag fragt: Was Nun? Der erste Blick in den morgendlichen Spiegel gibt die Antwort: Liften, straffen, schneiden und zwei Kilo Botox. Hilft aber auch nur begrenzt. Die Frage des „Was Nun?“ wird sich aber immer drängender stellen, denn alle Anzeichen deuten darauf hin, dass wir uns auf einem Marsch in ein Zeitalter der Gegenaufklärung bewegen. Ein Prozess, der mich sicher auch in nächster Zeit in diesem Blog umtreiben wird. Umgetrieben heute Morgen haben mich die aktuellen Seuchenzahlen. Hohe Infektionszahl von deutlich über 30.000 könnte darauf hinweisen, dass das Weihnachtsgeschehen jetzt schon durchschlägt, aber die da Infizierten legen ja jetzt noch nicht die Löffel weg. Wir haben aber eine Rekordzahl an Coronatoten.
Vielleicht alles statistische Artefakte. Oder ich zu blöd. Partei fragen? … Alles im Dunkeln. Mehr Licht.

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