01.02.2021 – Wo ist die Klimakatastrophe, wenn man sie mal braucht?


Meine Corfu-Olive, verhüllt nach Art des Hauses Christo. Kübelpflanze, kritischer Frostbereich ab minus 7 Grad, also musste ich neulich wieder mit Planen und Tüchern ran. Ich hasse Gartenarbeit jeglicher Couleur, dreckige Fingernägel sind was für Menschen, die an Autos schrauben oder Holzhäuser hämmern. Es ist nicht der Schweiß der Edlen, der bei sowas fließt. Auch wenn ich in meinem Leben schon oft die Faust des revolutionären Klassenkampfes geballt habe, wenn sich da nicht gerade ein Glas Crémant drin befand, bin ich doch keinesfalls ein Arbeiter der Faust, sondern der Stirn. Was aber auch nachlässt, das Stirnarbeiten.
Ich merke mit fortdauernder Seuche, wie das Denken sich bei mir verändert, langsam, kaum merkbar, aber doch. Die Bedingungen der Seuche nehmen einem ja viele Entscheidungen ab, es regiert die normative Macht des faktischen Zwanges. Selten hatte die gruselig-resignative Phrase „Es ist so wie es ist“ ihre Berechtigung wie heuer.
Das Denken verändert Struktur, Geschwindigkeit und Richtung, es wird träger, bedürfnisloser, reizarm, ziellos, kreativarm. Kein unangenehmer Prozess, aber woran merkt man, wann man in Verwesung übergeht …?
Als Problem sehe ich die Tatsache, dass Denken, Entscheidungen, Problemlösungen kreativärmer werden. Wir denken normalerweise in zwei Dimensionen, die eine, innen gesteuert, bildet unsere Erfahrungen und Kenntnisse ab, die andere, außen gesteuert, bildet unsere Umwelt ab, Schule, Uni, Job, Beziehungen, Projekte etc. Innerhalb dieses zweidimensionalen Rahmens denken wir, treffen Entscheidungen; erwartbare normalerweise, was auch gut ist, sonst wären wir für unsere Umwelt unberechenbar, Chaos herrschte.
Aber manchmal braucht‘s auch kreative, unerwartete Ansätze, was das Heraustreten aus dem klassischen zweidimensionalen Bezugsrahmen benötigt. Den Schritt in das dreidimensionale Denken, die kreative Lösung.
Das ist schwer plan- und lernbar und bedarf einer Voraussetzung: der Konfrontation mit dem Anderen. Also den Austausch mit anderen Personen und vor allem die grundsätzliche Konfrontation mit der anderen Welt, mit anderen Landschaften, Gerüchen, Getränken, Spezereien, Temperaturen, Autobussen etc. pp. Daran hapert’s zur Zeit.
Mir fällt schwer, mich zu erinnern, wann ich das letzte Mal einen kreativen Funken hatte. Diese Christo-Verhüllung oben seht ja nett aus, kann man aber kaum als kreativ bezeichnen. Das ist lediglich Kollateralfolge einer Notwendigkeit, auf die ich verzichten kann. Die Jahre werden doch immer wärmer, was sollen dann diese Frostausreißer?!
Wo ist die Klimakatastrophe, wenn man sie mal braucht?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.