25.02.2021 – „Astra, Alter, hast Du Astra?“


Der Wolf soll bleiben! Demo vor niedersächsischem Landtag. In dem Moment, wo ich mit dem Radl an dem Transpi vorbeisauste, setzte in meiner inneren Audiothek der Song „Will the wolf survive“ der famosen Texmex-Kapelle Los Lobos ein. Synästhesie, die Kopplung zweier physisch getrennter Modalitäten der Wahrnehmung, Töne sehen eben. Und wo ein innerer Prozess in Gang kommt, ist der Nächste nicht fern, und so kam ich nach dem Ende des Songs ins Sinnieren. Los Lobos, die Wölfe aus East-Los Angeles, hab ich nie live erlebt, was umso bedauerlicher ist, als sich das vermutlich nicht nachholen lässt, die Jungs werden nicht jünger und ich auch nicht.. Für März 22 ist zwar ein Konzert im legendären Paradiso in Amsterdam avisiert.
Aber wer weiß, wie man selber bis dahin zu Indoor Konzerten steht, was dann mit der Seuchensituation ist und meine Lust, mich mit einer Milliarde bekloppter Touris, von denen ich dann einer bin, in Amsterdam rumzudrängeln, hält sich ebenso in Grenzen, wie die an der Auffrischung von Jugenderinnerungen an diesen verkifften Hippietempel Paradiso. Die nachhaltigste Erinnerung ist das Ungeziefer, das ich mir in einem Youthhostel damals eingefangen habe…Tolle Bilanz von Hippiezeiten.
Vielleicht kommt die Combo ja irgendwann in die Spandauer Zitadelle, in einer lauen Sommernacht da draußen die sehr tanzbaren Klänge des verdienten Töne-Kollektivs der mexikanischen Arbeiterklasse zu hören wäre eine Aussicht, die mich auch bis 2022 noch durchhalten lässt, zumal das 21er Programm der Zitadelle mit dem Schnulzenfuzzi Lionel Ritchie oder Scooter mich nicht gerade vom Hocker haut.
Und so drehen sich nach wie vor und weiter viele Aspekte des Alltags um die Seuche, die nach wie vor nicht alltäglich wird. Das an einem Tag, wo einiges dafürspricht, dass sich das Infektionsgeschehen endgültig dreht in Richtung Mutanten, 10 Prozent mehr Infektionen als letzten Donnerstag und die positiven Testergebnisse mehren sich, was auf eine erhöhte Dunkelziffer schließen lässt. Ob die Lockerungsübungen der Politik sich da mal nicht als üble Rohrkrepierer erweisen… Wenn die Öffnung der Frisöre wieder rückgängig gemacht werden muss, bricht doch hier eine Revolution aus. Dritte Welle, scheißegal, Hauptsache Dauerwelle. Man (frau auch, da bin ich großzügig) darf gespannt sein auf die Wahlen dieses Jahr, wenn sich Infektionszahlen und Seuchenfrust gegenseitig verstärken.
Ich hab manchmal Visionen, in denen ich mich mit hochgeklapptem Mantelkragen auf dem Impfstoff-Schwarzmarkt rumdrücken sehe, verzweifelt, ungeimpft, mit einem Flugticket nach Malle in der Tasche, und vorbeihuschenden finsteren Gesellen entgegenflüstern höre:
„Astra, Alter, hast Du Astra? Ich nehm auch Bio oder Mod!“

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