02.03.2021 – Minenhunde vor!


Hallo Niedersachsen, NDR-TV Regionalnachrichten 19.30 Uhr. Mit meiner Lieblingsmoderatorin Christina von Sass nach einem Live Interview.
Normalerweise ist die HAZ für mich keine Referenz für irgendwas. Hier aber Zitierenswertes im Artikel „Populistische Lachnummer?“ (Für semantische Feinschmeckerinnen: Printausgabe: Lachnummer. Online: Luftnummer.), über eine Initiative der CDU-Mittelstandsunion zur Verschmelzung von ARD und ZDF zu einem Sender:
„ … Warum braucht das Land zwei öffentlich-rechtliche Systeme? …. Die Antwort lautet: Weil ein unabhängiger, von der breiten Gesellschaft kontrollierter, keiner politischen Richtung verpflichteter, möglichst pluralistischer und solidarisch finanzierter Rundfunk eine heilsame Wirkung auf das öffentliche Leben einer Demokratie hat…“
Auf den Punkt gebracht. Wie eine Gesellschaft aussieht, in der ein öffentlich-rechtliches Rundfunksystem nur eine Spendenfinanzierte Nischenexistenz führt, ist den USA zu besichtigen, wo über 70 Millionen Menschen das Produkt des Commercial-TV, einen quartalsirren, notorischen Lügner, Rassisten und homophoben Frauenhasser notfalls mittels Bürgerkrieg als Präsidenten haben wollen.
Um zu testen, wie in Deutschland derartige Verhältnisse via Medienlandschaft durchzusetzen sind, schickt das Kapital in unregelmäßigen Abständen Minenhunde, wie heuer die CDU-Mittelstandsunion, ins politische Terrain. Das ist ein von allen politischen Parteien praktiziertes Ritual: Wenn zu viele Minen explodieren, werden die Hunde wieder an die Kette gelegt. Bis zum nächsten Mal.
In Deutschland funktionierte das im Rahmen der geistig-moralischen Wende unter Helmut Kohl in den Achtzigern schon prima mit der Einführung des Privat-TV. Mitinitiator war der damalige niedersächsische MP Ernst Albrecht, der den Bürger*innen keine Dauerindoktrination nach Feierabend mit Themen über Homosexuelle und Atomkraft durch den Rotfunk NDR zumuten wollte. Hört sich wie Satire an, aber so lief die Diskussion damals, und sie war erfolgreich.
Der NDR war und ist natürlich kein Rotfunk, die Leitungsposten werden schiedlich-friedlich zwischen CDU und SPD, zunehmend auch Grüne, aufgeteilt. Der NDR kommt nur umfassender als z. B. die HAZ der Chronistenpflicht nach und berichtet auch schon mal kritisch über die Spaltung der Gesellschaft, Armut, Wohnungsnot, immer mit regionalem Bezug. Er ist ein Heimatsender im positiven Sinn, so der Begriff Heimat überhaupt eine positive Konnotation haben kann.
Das alles würde auf dem Altar des Profits durch kommerzielle Medien geopfert, wenn die Minenhunde das nächste Mal Erfolg haben. Brot und Spiele für den Mob und US-Verhältnisse in der BRD.
Ich aber würde jederzeit für den Erhalt von ARD, ZDF und vor allem der regionalen Vielfalt, wie NDR, mit der Waffel in der Hand auf die Straße gehen, allein schon deshalb, weil Letzterer mich in schöner Regelmäßigkeit in sein Studio einlädt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.