23.05.2021 – Sind so viele Fragen


Train train. Züge waren ein klassischer Topos des Blues und Rock, Sehnsucht nach der Ferne und Überdruss am eigenen Ort, Neues erleben, Altes vergessen, Aufbruch, Entdeckung, Eroberung. Spielt, soweit ich das auf dem Schirm habe, in der schwarzen Ausprägung von Pop, also Soul, Funk, Reggae (Hiphop, Rap etc. kann ich natürlich überhaupt nicht beurteilen) kaum eine Rolle, scheint mehr ein weißes Ding zu sein. Ob das das Conquistador-Gen der Weißen ist, die einen offensichtlich unstillbaren Trieb zur Eroberung äußerer und innerer Kontinente hatten und noch haben? Weshalb sie auf dem Sektor Mobilität durchaus Bahnbrechendes erfanden, während ihnen die Kenntnis von Kräutern, innerem Erleben und Spiritualität eher flöten ging. Ersatzweise entwickelten sie in der postkolonialen Ära den TUI-Imperialismus, die Eroberung und Vernichtung fremder Kulturen mittels Boeing 727, Flughafen-Transfer, Halbpension, Hotel am Strand, 7 Tage, 4 Sterne für 629 Euro. Das gehört zum Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung, nach Grundgesetz Artikel 2: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, das beinhaltet das uneingeschränkte Recht auf Urlaubsreisen“.
Zumindest gefühlte Grundgesetz-Praxis. Solcherlei Gedanken mäanderten unlängst durch mein Hirn, als ich die stillgelegte Trasse der ehemaligen Kohlebahn hinter meinem Haus vom hiesigen Hafen zum Kraftwerk erkundete. Die Katze oben begleitete mich eine Weile.

Irgendwann war ich dann auf archaischen Bahnschwellen, die ich auch als Foto einer maroden rumänischen Karpaten-Bahnlinie verkaufen könnte, alleine unterwegs, mitten in der Natur, Stille, wo keine 100 Meter entfernt, vor dem Fenster meines Arbeitszimmers, 20.000 Autos am Tag vorbeidonnern und meinem morgendlichen Würfelhusten stündlich Zucker geben. Man muss mitunter gar nicht weit reisen, um irgendwo anzukommen.
Ich war auf den Bahnschwellen u. a. dabei, Gedankenstaub aus meinem Gemüt zu schütteln, nach einer drolligen Zoom-Sitzung, bei der ich das Missvergnügen hatte, den Host zu geben. So sehr ich analoge Moderation schätze, so wenig goutiere ich digitale. Mir fehlt jedes Gespür dafür, wie die Leute in digitalen Räumen drauf sind. Wenn ich in einem analogen Versammlungs-Raum bin, „rieche“ ich nach wenigen Momenten die Stimmung, so wie andere schon beim Auto-Motor-Anlassen hören, dass die Bremsen in 57 Tagen mal wieder geölt werden müssen, oder so. Hat halt jeder sein Ding.
In digitalen Versammlungsräumen rieche ich höchstens meine Gemüsesuppe, die in der Küche auf dem Herd köchelt. Und so muss ich mir Gedanken machen über Seuchenforcierte Digitalisierungstendenzen und deren gesellschaftliche Auswirkungen, anhand eigenen Erlebens.
Gestern z. B. saßen schon die ersten Leute in der Außengastronomie. Dieser winzige (norddeutsches Schweinenieselbibberwetter) Lichtstrahl von Hoffnung auf mehr „Normalität“ ließ mich unberührt. Frisst sich der Digital-Virus langsam ins Gemüt? Was geht an alten Fähigkeiten und Wahrnehmungen flöten? Wann wird es endlich wärmer? Und kommt der Hl. Geist zu Pfingsten über mich und macht, dass ich in fremden Sprachen rede, so wie in der Bibel?
Sind so viele Fragen …Aber das mit den Sprachen wäre ein Hammer. Griechisch ist echt so Scheißschwer, die Schrift allein …
Liebe Göttin, mach dass ….

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