31.05.2021 – Fußball-EM 2021


Brüsseler Impressionen, Kulturgüter Waffles und Männeken Pis. Fußball ist eher Unkultur, findet aber statt. Niemand bedauert das mehr als ich, was zumindest den Profifußball angeht. Diesem Bedauern habe ich hier mehrfach beredt Ausdruck gegeben. Nicht nur, weil es eine Notwendigkeit der Kulturkritik war angesichts der völlig verrotteten Umstände um dieses männerbündische Gruselphänomen, sondern auch aus Abarbeitung enttäuschter Liebe, war ich doch lange Jahre durchaus enthusiasmierter Anhänger des gepflegten Rasensports. Spätestens seit der WM 1990 war die Liebe erkaltet angesichts nationalen Fahnentaumels nach dem Titelgewinn in Verbindung mit brennenden Flüchtlingsheimen. Wer noch einen Funken Anstand im Leibe hatte, wusste: Kein Tropfen Herzblut mehr für die Wegbereiter des Gesindels.
Seitdem wette ich bei jedem Fußball-Großereignis gegen „unsere“ Ostgoten, was mir bei der letzten WM 2018 nicht nur regelrechte Glücksströme durch Gemüt und Körper bescherte, sondern angesichts des vorzeitigen Ausscheidens der Ostgoten einen zusätzlichen Urlaub (klein, eher Malle als Mallediven), hatte ich doch justament darauf gewettet.
Und werde das auch heuer wieder tun, wofür die Anbieter durchgängig eine Quote von 7:1 zahlen. Leider fehlt mir mittlerweile das, was bei Fußball-Wetten nicht von Nachteil ist, nämlich jeglicher Sachverstand. Wusste ich früher noch aus eigener Anschauung über die Schwächen der hiesigen Rumpelkicker, die sie nur mit mörderischem Weltkriegs-Zwo-ähnlichen Körpereinsatz ausbügeln konnten, kenne ich heute nicht einmal mehr die Namen der beteiligten Schwachköpfe. Hummels kenn ich noch, soll wieder dabei sein, was mir Hoffnung macht, ist der Mann doch so langsam, dass selbst ich ihn noch in einem 50-Meter-Sprint abhänge.
Zu meinem Erstaunen ist Belgien an Nr. 1 der Europa-Rangliste, das wäre ein feiner Tipp als Europameister. Belgien ist klein und von einer Nation kann man da kaum reden, das sind eher drei mühsam nebeneinander dahinfunktionierende Landesteile plus Sonderfall Brüssel. Eben aber las ich, dass sich ihr Mastermind De Bruyne gerade Augenhöhlen- und Nasenbeinbruch zugezogen hat. Seine EM-Teilnahme ist aber nicht gefährdet. Die fängt in 12 Tagen an. Und dann mit solchen Brüchen in Kopfballduelle gehen?
Mörderischer Weltkriegs-Zwo Körpereinsatz ist offensichtlich nicht nur eine doitsche Domäne und die Bezeichnung „Schwachköpfe“, siehe oben, ziehe ich ausdrücklich nicht zurück.
Was bleibt, sind meine Tipps: die BRD scheidet in der Vorrunde aus, das Finale lautet Frankreich gegen Belgien und Belgien wird Europameister. Wer Killer-Kicker wie De Bruyne in seinem Kadaver, äh Kader hat, dem ist alles zuzutrauen.
Auch wenn manche Belgier einen an der Waffel haben, sind ihre Waffles und Pommes Weltklasse und Brüssel ist eine über alle Maße bezaubernde Stadt. Damit am Schluss wenigstens irgendwas Versöhnliches steht.

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