30.06.2021 – Der Kane war ihr Schicksal


Wiederauflage eines Klassikers. Ging gestern viral, ich fand’s lustig, auch wenn es nicht mehr originell ist. Dass die Ostgoten gestern rausflogen, beglückte mich aus ganz vielen Gründen. Die üble Saat flächendeckend die Umwelt verpestender Nationalflaggen wurde damit im Keim erstickt, und Profifußball, vergleichbar mit Hämorrhoiden und Diarrhöe, erhält einen weiteren Nackenschlag, verkommt zusehends zu einem Nischenrefugium für den Mob. Mittlerweile raunt ja sogar das doitsche Feuilleton, was eher zum dümmsten der Welt gehört, darüber, dass der Lack am Fußball ab sei. Was ne Erkenntnis im Jahre 2021.
Am allerwichtigsten am gestrigen Tag ist die Tatsache, dass meine 6:1 Wette auf das Ausscheiden der BRD im Achtelfinale aufging. Zur Jogitruppe (bei solchen Formulierungen hänge ich schon über der Kloschüssel) lässt sich sagen, in Abwandlung eines Bogey-Klassikers: Der Kane war ihr Schicksal (für die vielen Fußball-Desinteressierten und -Desinfizierten hier im Blog: Harry Kane war der Schütze zum entscheidenden Tor der Engländer gestern). Ein echter Brüller für Cineasten.
Was für Glücksgefühle aber waren es, die mich da gestern durchströmten? Der Geldsegen, immerhin ein (sehr) kleiner Urlaub? Das grundsätzliche Gefühl des Spielers beim Spiel, wenn die Roulette-Kugel auf seine Zahl fäll? Dass die Ostgoten endlich mal wieder in den Staub geduckt wurden? Von allem sicher etwas, aber auch das befreiende Gefühl von Rechthaberei: ICH habe es mal wieder allen gezeigt, von Anfang an gewusst, und wie üblich besser gewusst, ich bin der Wettgott, und keiner sonst.
Rechthaberei ist eine männliche Domäne. Der klassische Rechthaber (oft Lehrer o. ä. von Beruf) hat nicht nur immer, sondern auch überall Recht. Wenn er nicht Anflüge von Selbstironie und Humor hat, ist er ein arger Kotzbrocken, den seine Umwelt am liebsten von hinten oder lieber gleich tot sieht. Seiner Frau (Rechthaber sind überwiegend Heteros) geht er so auf die Nerven, dass sie Mordgedanken hegt, wenn sie ihn nicht schon lange verlassen hat. Rechthaberei ist eine Sucht, auch bei Einsicht in ihr Vorhandensein kann der Betroffene nicht von ihr lassen, im Gegenteil, er muss die Dosis erhöhen, wieder und wieder. Glauben Sie’s mir, liebe Leserinnen, ich hab Recht.
Schön auch am Tage 29 im Wonnemonat Juno die Tatsache, dass mit dem Heimflug der Jogitruppe die männerbündischen Fußballglotz-Zusammenrottungen in Biergärten, Kneipen etc. zertrampelt wurden wie eine Mimose unter den Knobelbechern deutscher Landser. Nirgendwo hält sich der deutsche Mobster lieber auf als mit seinen Kumpeltz und Strömen von Bier beim Fußballgucken. Nirgendwo ist er seiner latenten Homosexualität so nahe wie dort. Echte Kerle, wie sie im Baumarkt gefräst werden, die alle Male lieber unter ihrem Auto als unter ihrer Gattin liegen. Solche Burschen werden eher durch einen Fingerhut Menstruationsblut in die Flucht getrieben als von der Vorstellung eines neuen Ostfeldzuges. Männer wie wir ….
Ok, diese Theorie in Fortführung von Theweleits Männerphantasien ist noch nicht ganz ausgereift. Wir arbeiten dran.
Das Traurige am gestrigen Tag: das war meine letzte Fußball Wette. Die Fußball WM in Katarrh 2022 ist so weit jenseits aller ethischen Standards, dass sich eine Involvierung damit, und sei es auch nur durch Wetten, für Menschen mit Verstand und Anstand verbietet.
Mist. Ich hätte so gerne wieder Recht gehabt.
Dann wette ich eben auf Synchronschwimmen bei Olympia.

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