20.07.2021 – Ich hab den Längsten.


Prachtexemplar der Sonnenblume „Goldener Neger“, das bereits jetzt über 2 Meter hoch ist und am Ende sicherlich zu den Längsten gehören wird.
Citius, altius, fortius, dieses olympische Motto des „schneller, höher, stärker“ (und: Wer hat den Längsten?) beschreibt präzise die hinreichende Bedingung für die Katastrophen, die immer schneller, höher, stärker von allen Enden unserer Zivilisation über uns hereinbrechen: Seuchen, Fluten, Dürren, Hitze, Hunger, Armut etc. pp… Schlagen Sie Ihre Tageszeitung auf, dann sind Sie auf dem Laufenden.
Mein Katastrophen-Favorit für unsere Breitengrade waren drei Hitze- und Dürresommer hintereinander, in Verbindung mit Finanzkrise und Massenarbeitslosigkeit sowie einer Folge von neuartigen Viren, die in kurzer Zeit unsere Nutztiere in der Massentierhaltung dramatisch reduzieren. Mir persönlich egal, ich ess kein Fleisch, ich grill im Sommer nur Würstchen.
Aber können Sie, liebe Leserinnen, sich doitsche weiße, alte Männer als Vegetarier vorstellen und wo soll in so kurzer Zeit dann das ganze Grünzeug herkommen, da brauchen wir Grönland als Anbaufläche. Nun sind es also biblische Fluten in einem Ausmaß geworden, dass selbst ich in meinem Keller schon die besseren Jahrgänge nach oben gestapelt habe.
Ein Tornado deckt das Haus ab und während eines drei Tage ortsfesten Regentiefs steigt das Grundwasser über die Keller, da kommen selbst Leute ins kurze Grass, die jetzt selbstgerecht vor den TV-Flutbildern sitzen: „Das kann mir nicht passieren.“ Wenn mir nur ein Bruchteil dessen widerfahren würde, was die Bilder aus den hiesigen Katastrophengebieten zeigen, wäre ich reif für die Klappsmühle. Bei aller Abneigung gegen „unsere“ Volksgenossen: Die Leute tun mir einfach leid.
Die Anlässe für menschengemachte Katastrophen wie Klima sind vielfältig, die Ursache ist immer eine: Komparatives Denken und Handeln. Das Denken und Handeln im Vergleich, im Wettbewerb, in Konkurrenz. Bin ich auch schneller, stärker als der Andere? Was früher ein evolutionärer Vorteil im individuellen Überleben war, ist heute der Schwanengesang für unsere Welt. Ohne Wettbewerb und Konkurrenz kein Profit und ich sehe für die dahinter ablaufenden Prozesse keine Umkehr, was überlebensnotwendig wäre. Noch immer sind Wachstumszahlen das Mantra unserer Gesellschaft, allen Sonntagspredigten zum Trotz. Erzählen Sie als Vorstandsvorsitzender auf einer Aktionärsversammlung mal, dass Sie im nächsten Geschäftsjahr freiwillig Umsatz, Gewinn und Dividende reduzieren, damit der Planet eine bessere Überlebenschance hat. Das Ende der Versammlung erleben Sie in einer weißen Jacke, die Ärmel nach hinten, von zwei kräftigen Pflegern in eine Klappsmühle begleitet, wo Sie nie wieder rauskommen.
Und so sitzen wir auf einer Lawine, ruckeln derzeit noch mit relativ commoder Geschwindigkeit talwärts und merken nicht, wie die sich peu à peu steigert, immer schneller, siehe Olympia. Und irgendwann sind wir an einem Punkt, wo nichts und niemand die Lawine mehr aufhalten kann. Abspringen?
Viel Spaß dabei, liebe Leserinnen.

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