09.08.2021 – Grundkurs Rhetorik


Hier kein Bölkstoff. Die Seuche hat sich in jede Zelle unserer Alltage gefressen und wird daraus nicht verschwinden. Alles ist Seuche, so auch Olympia. Profisport ist die glitzernde Inkarnation des Neoliberalismus: Jeder gegen jeden um jeden Preis. Die Akteure entstammen einem postmodernen Danteschen Inferno: Magersüchtige, Drogenabhängige, Rassisten, Tierquälerinnen, Menschenfeinde, wohin wir blicken. Und über allem thront wie ein fetter, hässlicher Buddha IOC-Chef Thomas Bach, dessen Englisch den Tatbestand der Körperverletzung erfüllt. Wenn er redet, ist Abschalten oberste Bürgerinnenpflicht und mich erfüllt dann eine tiefe Sehnsucht nach Boris Johnson, dessen wundervolles Oxford-Englisch Ohr und Herz erfreut (die Inhalte sind Müll, but who cares).
Doitschland hat erwartbar schlecht abgeschnitten, das ist so ziemlich das einzig Positive an Olympia. Nur in den Kategorien „Ausreden, Schönfärben und Skandale“ belegten die Ostgoten Spitzenplätze. Noch vor Bach auf den Medaillenränge in der Sportart „Hässliche Deutsche“ rangierten dieser ganz hässliche Rad-Kasper mit seinem Zweifach-Ruf „Hol Dir die Kameltreiber“ und die Pferde-Guste mit dem doppelten „Hau drauf!“ Diese doppelte Betonung ist insofern wichtig, als sich die Einlassung dadurch nicht als Spontanentgleisung erweist, sondern die Aufrichtigkeit der inneren Einstellung als Rassist und Tierquälerin an den Tag legt. Dieser reale Klaps mit der Gerte und der Faust ist übrigens harmlos im Vergleich zu dem, was beim Pferdetraining real abgeht. Beim Geländeritt und auf Rennbahnen brechen sich ohnehin dauernd Zossen die Knochen und müssen eingeschläfert werden, das wird schulterzuckend in Kauf genommen. Ganz zu schweigen von dem Elend in Schlachthäusern.
An dieser Causa offenbart sich nicht nur die Niedertracht der Akteure, sondern die so vieler Volksgenoss*innen. Der alltägliche Rassismus des Rad-Kasper ist keine Silbe mehr wert, er wurde unter augenzwinkernden „DuDu“-Schelten in bezahlten Urlaub geschickt und wird mit Sicherheit an den Stammtischen seiner Heimat und Sportgenoss*innen als Widerstandskämpfer gefeiert nach dem Motto: „Lass Dich von den linksgrünversifften Moralaposteln nicht unterkriegen.“
Da haben die beiden Pferde-Gusten eindeutig im Vergleich die Arschkarte gezogen, haben sie es sich doch mit der größten Ansammlung von Geistesverwirrten im Lande angelegt, mit Tierfreunden. Jene Spezies, die – marktkonform – alle Liebe, die sie dem Mitmenschen vorenthält, dem Viehzeug widmen, und zwar nicht dem auf dem Grill. Die Speerspitze all dessen, Peta, hat schon mal Massentierhaltung mit dem Holocaust verglichen, und auch sonst nicht alle Latten am Zaun. Die beiden Pferdequälerinnen werden in nächster Zeit wenig Freude haben, im Gegensatz zum Rad-Kasper.
Ich für meinen Teil bin dem Profisport dankbar, legt er doch Seziermessergleich die Verwüstungen des Neoliberalismus in den Köpfen offen. Und eins muss man Olympia zu Gute halten: Anders als beim Fußball bis in untere Ligen müssen dort nicht Wochenende für Wochenende auf Staatskosten Heerscharen von Polizisten protofaschistischen Mob im Zaum halten, damit es nicht jede Saison dutzende Tote gibt.
Immer schön mit was Positivem enden. Grundkurs Rhetorik.

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