09.09.2021 – Demonstrationen sind immer auch Simulation einer anderen Realität


Normalerweise von Tausenden Autos am Tag befahren. Leipziger Straße, Berlin, Unteilbar Demo vom 04.09.2021. Demonstrationen sind immer auch Simulation einer anderen Realität. Sei es dystopisch wie beim Sturm auf den Reichstag im August 2020, wo hunderte Nazis im Rahmen einer Querspinner-Demo auf den Treppen des Gebäudes vorab schon mal Probe-Fotos zu einem faschistischen Umsturzversuch lieferten. Oder utopisch wie oben, eine bunte, friedliche, entschleunigte Metropolen-Welt, von Autos befreit, in der Hochhäuser als Memento mori einer vergangenen Epoche dienen.
Nichts gegen Hochhäuser in der aktuellen Situation. Um der Wohnungsnot in Ballungsräumen zu begegnen, werden Hochhäuser eine andere Wertschätzung erlangen müssen als sie derzeit besitzen. Wir können ja durch Baumaßnahmen die Fläche nicht grenzenlos verdichten ergo vernichten. Jedem sein Einfamilienhäuschen mit Carport und Steingarten? Eine Schreckensvision. Und wir können auch nicht jedem eine kuschelige 100 qm Kiez-Altbau-Wohnung mit Stuckdecken garantieren (Ist sowas überhaupt noch en vogue? Zieht es die Hipsterin nicht eher ins Tiny House, die alternative Spießervariante des Einfamilienalptraums?)
Hochhäuser sind ja auch Reibungsflächen zum kollektiven Nachdenken über eine bessere Zukunft. Wie hier am Alexanderplatz mit dieser riesigen Dachinstallation

Allesandersplatz.
Wird nach der Wahl alles anders? Die zentrale Frage wird kurzfristig sein und ihre Beantwortung für die breite Masse eher unerfreulich ausfallen: Wer zahlt für die Krise? Nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte tippe ich mal auf die Kälber. Sie wissen schon (Achtung, Politkalauer!):
Nur die dümmsten Kälber
Wählen ihre Metzger selber.

Wir erinnern uns: Den größten Sozialraub der Nachkriegsgeschichte der BRD vollzog die rotgrüne Parvenü-Proleten Koalition (Parvenü Schröder, Prolet Fischer). Das Kapital hatte die Krise ausgerufen, Koch Schröder und Kellner Fischer wurden als Ausputzer engagiert und lieferten über alle Erwartungen: Die Riester-Rente legte die Axt an ein funktionierendes Rentensystem zu Gunsten der Versicherungswirtschaft, die Arbeitsmarktreform Agenda 2010 (federführend: cum-ex und Wirecard-Olaf Scholz) schuf den größten Niedriglohnsektor Europas mit extremer Ausweitung der prekären Zone und als Dreingabe kriegten Konzerne von Allianz bis Siemens mit der Befreiung von der Kapitalertragssteuer zig Milliarden geschenkt. Nur ein paar Beispiele.
Nun haben wir wieder Krise. Wenn die Linke nicht ins Parlament kommt, und das ist angesichts der Fehlerquoten der Kaffeesatzleserinnen von der Demoskopie nicht auszuschließen, kann es für Rotgrün reichen.
Geschichte ereignet sich nach Marx zweimal: Einmal als Tragödie, einmal als Farce.
Es bleibt zu hoffen, dass die Parvenü-Proleten Koalition von 1998 schon die Tragödie war.
Alles Kaffeesatz. Eins ist sicher: Heute wird es nochmal Sommer, der Wahlabend wird spannend und die Zeit danach eine für den Kampf.
Noch nicht mal bis Eins zählen kann er, der Chronist…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.