09.09.2021 – Dachschaden


Flugi. Wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass man bei Impfverweigerung sich nicht nur irgendwann sicher die Seuche einfangen wird, sondern auch erhebliche Dachschäden davonträgt: Hier liegt er vor. Der Typ, der dieses Flugi auf der Unteilbar-Demo in Berlin verteilte, hatte schon auf der Erscheinungsebene was schwer Gestörtes, Tendenz zur Verwahrlosung, er wirkte getrieben, ja gehetzt, ein ins aggressive lappender, zorniger Gesichtsausdruck. Ein Fremdkörper unter den sonst eher sanft anmutenden Demoteilnehmenden (die schwarzgekleidete linksradikale Fraktion hönkelte zur gleichen Zeit im notorischen Kreuzberg/Fuckhain-Bezirk rum).
Beim Anblick des offensichtlich grenzwertig Gestörten wunderte ich mich, dass unter dem Druck der Seuche nicht viel mehr öffentliche, psychisch bedingte Gewalt passiert. Ich habe zwar schon länger den Eindruck, dass sich unsere Gesellschaft zunehmend in diverse Fraktionen von durchgeknallten Zombies, verrohten Quartalsirren und andersbegabten Bekloppten zerlegt, aber zur Zeit scheint sich das wachsende Aggressionspotential noch überwiegend nach innen zu richten.
Wann schlägt der innere Wahn in äußere Aggression um? Welcher Tropfen bringt das Fass zum Überlaufen, nachdem es jahrelang stetig volllief, mit Kränkung, Resignation, Einsamkeit, Wut? Wann schlägt politisches Querulantentum, wahnhaftes Sendungsbewusstsein in gefährliches pathologisches Verhalten um?
Am nächsten Tag wandelte ich fürbass auf einem Kunstmarkt in einer der feineren Gegenden Berlins. Zur gleichen Zeit verletzte ein paar Strassen weiter ein offensichtlich traumatisierter Afghane zwei Menschen mit einem Messer schwer, ihn störte, dass eine Frau öffentlich arbeitete. Da schließen sich eine Menge Fragen an, die nicht so einfach zu beantworten sind.
Es soll auch heute wieder heiter enden. Auf dem Kunstmarkt war auch ein Stand mit griechischen Ölen, deshalb verweilte ich kurz zum Betrachten. Und wurde animiert: „Probieren Sie doch mal.“ Nachdem ich schon dreimal vorher animiert wurde für irgendein Gedöns, lief das Fass bei mir über. Ich hasse sowas.
Ergo:
„Danke, aber ich mache gerade eine Nulldiät.“ – „Ach, wie sieht die denn aus?“ – „Ich esse nichts. Seit Jahren schon.“ – „Was?! Und das geht? Wie machen Sie denn das?“ – „Fotosynthese. Ich wandele Licht in Energie um“ – „Faszinierend. Dann trinken Sie also nur.“ – „Nein. Ich trinke auch nichts.“ – „Das geht doch gar nicht“ – „Doch. Osmose. Ich diffundiere das Wasser aus der Luft durch meine Haut, zurück bleiben nur die Schadstoffe. Dadurch hab ich mich auch so gut gehalten.“ – „Wie alt sind Sie denn?“ – „84.“
Ein paar Leute standen jetzt am Stand und hörten zu. Ich vernahm Geflüster: „84 …murmel…murmel.“ Aber keine sagte was in der Richtung: Das ist doch ein Witz. Oder: Dummes Zeug, was Sie da von sich geben.
Ich flanierte zum nächsten Stand und bedauerte zu einem wiederholten Mal, keine Sekte gegründet zu haben. Oder wenigstens Unternehmensberater geworden zu sein.
Kann ja noch werden.

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