05.11.2021 – Lindener Eisen- und Stahlwerke.


Schöner Backsteinbau auf einer der hiesigen Industriebrachen, die sich ein Privatinvestor gesichert hat. Auf der Fläche wird wahrscheinlich der übliche Büro/Gewerbemix entstehen, nichts, was irgendwie in die Zukunft weist. Als die Pläne bekannt wurden, meldeten sich sofort Architektur-Interessierte, die das Gebäude erhalten sehen wollten. Ihnen schwante Übles, da das das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht. Stand, muss man sagen, denn kaum hatte der Investor Wind von den Bestrebungen gekriegt, ließ er die Bagger anrücken und ruckzuck, war das Ding platt. Ich hab den Bau vermutlich als Letzter lebend gesehen und geknipst. Bei der derzeitigen Bodenknappheit und Spekulation hätte der Investor das Ding wahrscheinlich auch platt gemacht, wenn es unter Denkmalschutz gestanden hätte. Und sich hinterher entschuldigt. Ich kenn doch meinen Kapitalismus. Bei einem Profit ab 10 Prozent geht der über Leichen, ob aus Backstein oder Knochen. Also ruckzuck aufs Radl und geknipst.
Wobei ich nicht der Meinung bin, dass jede Pommesbude erhalten werden muss, bloß weil sie ein paar Jährchen auf dem Buckel hat. Das ist mitunter so eine alternative Kiezmentalität von Insassen, die vor 40 Jahren in die Kieze zogen, rebellisch, jeden Stein umdrehen wollten, in die Jahre kamen, 10x schlimmer als ihre Eltern wurden und jetzt nach Art des Hauses Disneyland alles so erhalten haben wollen, ihre Jugend erstarrt in einem Freilichtmuseum. Das artet in letzter Konsequenz in diese grauenvoll reaktionäre Mentalität aus, die Sachen wie das Humboldtforum in Berlin verbrochen hat.

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