19.11.2021 – Der Himmel so grau


Himmel über mir. Wär er unter mir, hätten ich und der Globus auch Probleme ..
Fakt ist, dass das Firmament seit Tagen in einem Grau vor sich hin döst, dass man immerzu schlafen möchte, schlafen. Oder ob‘s doch edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern des wütenden Geschicks erdulden? Eher letzteres. Mitunter ist ja die Realität so graulich verzerrt, dass man immerzu lachen möchte, lachen. Fast scheint es so, als ob der Sauerstoff der Realität, den man einsaugt, Lachgas sei. Wie soll ich denn sonst reagieren auf Meldungen wie diese aus Österreich vom 18.11:
„Um kurz vor 16 Uhr macht Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer eine der denkwürdigsten Kehrtwenden offiziell. Nur acht Tage zuvor hatte er noch in Stammtisch-Manier über Mediziner gespottet, die angesichts rasant steigender Infektionszahlen einen Lockdown forderten: Virologen wollten am liebsten, »ich übertreibe jetzt ein bisschen«, jeden Österreicher in ein »Zimmer sperren«. Nun, da die Vorhersage der Virologen sich bewahrheitet hatte und die Pandemie in seinem Bundesland mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von 1740 so brutal wie nirgendwo sonst in Österreich grassiert, zieht Haslauer die Notbremse: Er verkündet einen »harten Lockdown« für Salzburg und das benachbarte Oberösterreich gleich mit. Selbst in den Schulen soll es nur Notbetreuung geben. Er hoffe darauf, dass es »noch vor Weihnachten« ein Lockdown-Ende gebe, sagt der Regierungschef.“
Kapitalismus. Macht. Gier.
So heißt das Spiel mit dem Tod, das in Salzburg und nicht nur da, gegeben wurde. Dagegen ist der Jedermann ein Kasperltheater. Von den Zehntausenden, die sich da in Österreich allein in den letzten acht Tagen infiziert haben, landen Hunderte in den Intensivstationen, von denen ca. ein Drittel sterben wird. Fröhliche Weihnachten, Herr Hasslauer. Andere notwendige OPs unterbleiben. In Österreich werden erste Triage-Teams zusammengestellt.
What’s left? Die Erwähnung, dass nur die Übernachtungsgäste aus dem Ausland in einer durchschnittlichen Wintersaison zehn Milliarden Euro im Land lassen. Und dass ein Streichquartett in einer Wiener Fußgängerzone bei einer Party zur Feier der Weihnachtssaison in der letzten Woche (!) eines des zauberhaftesten Mozart-Duette spielte: »Reich mir die Hand, mein Leben«.
Mir kamen die Tränen beim Hören. War es ob des unvergleichlichen Schmelzes von Mozarts Musik, einzig auf der Welt? Oder waren es die des Lachens ob dieser österreichischen Inszenierung?

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