05.01.2022 – Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren.


Ihmezentrum. Planerische Visionen oder Visionen auf Planen? Das Ihmezentrum in Hannover ist die wahrscheinlich größte innerstädtische Baustelle, manche sagen Ruine, in Deutschland, die noch flächendeckend bewohnt wird. Ein riesiger Wohnkomplex, ca. 860 Wohnungen mit annährend 2.500 Bewohner*innen im Stil des Brutalismus der 70er Jahre, siehe auch Märkisches Viertel, gibt’s in fast jeder Großstadt. Seit vielen Jahren wird das Objekt von Investor zu Investor weitergereicht. Das Prinzip: Mieteinnahmen kassieren, große Zukunftsvisionen versprechen, nichts investieren, Öffentlichkeit hinhalten, Fristen nicht einhalten, Gewinnbringend verscherbeln, im Zweifel Insolvenz anmelden, um nicht haftbar gemacht zu werden. Das geht solange, bis die Zitrone ausgequetscht ist und der Bau droht zusammenzubrechen. Seit 2010 kein nennenswerter Baufortschritt.
Ich komme täglich an dem Komplex vorbei, außer Planen vor die Fassaden zu hängen, findet da praktisch nichts statt. Kein Baulärm, paradiesische Ruhe. Der Klotz erinnert mich an einen kaputten Zahn, der von unten her wegfault. Aktueller Eigentümer ist Lars Windhorst, dem man schmeichelte, würde man ihn einen windigen Gesellen nennen. Am 04.01.22 schreibt die HAZ zur Causa: „Erneut hat offenbar das Projektentwicklerteam von Eigentümer Lars Windhorst eine entscheidende Frist bei der Sanierung des Ihme-Zentrums verstreichen lassen. Bis Jahreswechsel hätten Mietverträge mit Einzelhandelsgeschäften oder Gewerbetreibenden für mindestens 9000 Quadratmeter Nutzfläche unterschrieben im Rathaus vorliegen müssen. Das ist nach Auskunft der Verwaltung nicht der Fall. Auf Anfrage der HAZ zu dem Sachverhalt war der Vertreter des Eigentümers, Carsten Grauel, ganztägig nicht zu erreichen.“
Ich habe mir die Mühe gemacht, mit ein paar Mausklicks zu recherchieren. Die oben auf der Plane aufgeführte Alexus Immobilien Management hat ihren Sitz in Berlin, Malvenweg 128. Ein Privathaus, am Arsch der Welt, kurz vor dem Müggelsee.

Malvenweg 128
Der Internetauftritt www.Alexus-immobilien.de sieht aus wie vom Praktikanten zusammengeschustert. Null Referenzprojekte, der eigene Firmenname mehrfach falsch geschrieben:
ALEXUS IMMOBILIEN MANAGMENT! Realisierte Projekt-Fundstellen im Internet: 2017 ein Aldi-Markt und 2014 Stattdessen mehrfach eine 12seitige Strafanzeige einer ehemaligen Mitarbeiterin, bei der sich, bei aller Skepsis, einem die Haare sträuben. Dass derartige Fundstellen von der Alexus-Gang nicht umgehend aus dem Internet geklagt wurden, spricht Bände.
Da überrascht es nicht, dass das Ihmezentrum als Referenzprojekt bei keinem Beteiligten zu finden ist, weder beim Eigentümer-Vertreter Grauel noch beim Ansprechpartner für Vermietungen Timm. Wer schmückt sich schon gerne mit einem Projekt, von dem er weiß, dass es vermutlich reif für die nächste Insolvenz ist.
Prima facie, Anscheinsbeweis? Juristisch vielleicht nicht, aber nicht nur Frieda Normalverbraucherin dürften sich die viel zitierten Haare sträuben. Ob allerdings die Causa gerichtsnotorisch wird oder nicht, früher oder später landet der Komplex eh beim Steuerzahler, getreu dem Motto: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren.
Ich werde ein paar regionale Medien und die Stadt informieren und halte Sie auf dem Laufenden. Vielleicht kommt mal jemand auf die Idee, zu recherchieren, am Malvenweg 128. Ich bin bei meinem nächsten Tripp zum Müggelsee auf jeden Fall vor Ort.
p. s.: schon 2009 hatte ich gefordert: Ihmezentrum raus aus Linden. Und ein paar Tage später ein Kaufangebot für den Schuppen unterbreitet: Kaufangebot Ihmezentrum. Lindenspiegel 03-2009. Über meine zahlreichen anderen Aktionen zum Ihmezentrum informiere ich Sie, liebe Leserinnen, zusammen mit dem Fortgang dieses Lehrstücks aus dem Kapitalismus.

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