27.04.2022 – Blick in die Zukunft


Sieht es in unseren Städten demnächst so aus? Der Begriff „Atomwaffen“ hat mittlerweile Inflation und die Tatsache, dass deren Einsatz das Ende des Lebens, wie wir es kennen, bedeutet, verblasst hinter dem inflationären Gebrauch. Mir schiene es angebrachter mehr zu schildern, wie ein postatomares Armageddon aussähe. Zum Beispiel mit Bildern von Hiroshima und Nagasaki. Oder häufiger über Formen zivilen Widerstandes und Friedensstrategien zu diskutieren statt über die Panzerungen von Gepard, Leo, Tiger, Pitbull oder wie die Panzer alle heißen mögen.
Stattdessen eskaliert immer schneller die Nachrichtenlage. Gestern: Transnistrien, demnächst Krieg in Moldau, mögliche russische Angriffe auf westliches Personal in Kiew, deutsche Panzer in den Osten, Lawrow Atomkrieg. Ich fand es gruselig und bin nur dankbar, dass ich mittlerweile Krisenresistent bis abgestumpft bin.
Die letzten Weltkriege sind nicht vom Himmel gefallen, sondern waren auch das Ende einer langen verbalen Eskalationsspirale. Nach Rüstung kommt Krieg? Sicher. Aber auch: Nach dem Ende einer Friedensdiskussion kommt Krieg und nach Krieg kommt noch mehr Krieg. „Wir“ rüsten verbal immer mehr auf, argumentieren aus – noch – geschützten Schreibstuben die Ukraine immer weiter in einen aussichtslosen Krieg und rüsten sie dafür auf. Russland hat noch nicht einmal die Generalmobilmachung ausgerufen und wird nicht zögern, Atomwaffen gegen die Ukraine einzusetzen, wenn es das Gefühl hat, in die Enge getrieben zu werden. Begründen würde der Russe das mit Hiroshima und Nagasaki. Der Ami hat da ja auch Atomwaffen eingesetzt, um schlimmeres, noch mehr Blutvergießen, zu verhindern. Wenn der Satz gilt: „Wer den Frieden will, muss für den Krieg gerüstet sein“, dann gilt innerhalb dieses Logik-Konstruktes auch der Satz „Wer den Krieg beenden will, muss für das größte (Atom)Übel gerüstet sein“.
Mittlerweile ist die Blutgeschichte von Putins Herrschaft von Tschetschenien bis Syrien ja genug bekannt und über seine Verfassung können keine Illusionen mehr herrschen. Wie kann man da glauben, dass ginge irgendwie gut aus für die Ukraine? Es kann nur noch darum gehen, so viel Tod wie möglich zu vermeiden.
Aber wie oft und immer intensiver, so hoffe ich auch hier, unrecht zu haben. Und dass meine Exitstrategie überflüssig ist: Ein Häuschen weitab vom Fallout, im Alentejo, mieten, je einen Beutel Hanf- und Kartoffelsamen einpacken, ein paar Silbermünzen, Hölderlin Gedichte und ein zweites Smartphone. Der Ire hat sich im 19. Jahrhundert bis zur Kartoffelfäule fast ausschließlich von Kartoffeln ernährt. Geht also. Mit dem Gras treibe ich Handel, Wein kaufen und so, Hölderlin spendet Trost. Guter Plan. Oder sollte ich für den atomaren Ernstfall doch dem Motto frönen: Lieber schnell verdampfen in Berlin als langsam verrotten auf dem Acker?
Ich halte Sie auf dem Laufenden, liebe Leserinnen.

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