01.06.2022 – Warum sind wir so wie wir sind?


Der morgendliche Duft der Rosen ist Balsam für mein Gemüt. Andere bezahlen teures Geld für Therapien und Psychopharmaka oder löten sich jeden Tag die Birne mit Alk voll, um dem inneren Aufruhr, der oft ein Abbild des äußeren ist, Einhalt zu gebieten, die Dämonen zu bannen. Mir reicht ein Gang durch den Garten im Morgentau.
Sobald ich allerdings die Schlagzeilen des Tages lese, bin ich sofort wieder auf Betriebstemperatur, also auf 180. Ich frage mich, woher kommt der Zorn, der dann mitunter waltet, siehe Blog von gestern? Zorn ist eine der 7 Todsünden, eine menschliche Ureigenschaft. Dem Zorn nachzuspüren ist schwierig, ist er doch ein eher flüchtiger Geselle. Und wer hat schon die enorme Introspektion, in einem akuten Zornanfall der eigenen Empfindung nachzuspüren, wenn er am liebsten mit der Axt das Mobiliar zerlegen möchte oder gar die Welt. Das unterscheidet den Zorn z. B. von der wesentlich nachhaltigeren und anhaltenden Liebe oder Angst, welche beide chronisch werden können und den so Geplagten genügend Raum geben, der Befindlichkeit nachzuspüren. Wovon ganze Berufszweige und Industrien leben.
Natürlich ist mein Zorn der des Gerechten, und sei es des Selbstgerechten, aber Hand aufs Herz: Ist der Zorn eine erstrebenswerte Tugend? Dialogfördernd ist er jedenfalls nicht.
Warum sind wir je nach Temperament zu welchen Auslösern zornig? Warum sind wir so wie wir sind?
Ich werde zornig, wenn ich soziale und zivilgesellschaftliche Aspekte unseres Zusammenlebens bedroht sehe, weil ich glaube, dass wir auf einem sich beschleunigenden Marsch in die Unzivilisiertheit sind und weil mich das direkt betrifft. Wenn also einen Steinwurf vor meiner Haustür ein Honk mit seiner tiefergelegten Prollschüssel provozierend durch eine Fußgängerzone brettert, würde ich am liebsten mit einer großkalibrigen Faustwaffe ….
Der Beispiele sind viele. Welche Gedanken mich beispielsweise bei Coronaschwurblerdemos anfluten, schildere ich aus Gründen der Zivilität lieber nicht.
Bei Nachrichten, die den Marsch der Welt in den ökologischen Abgrund betreffen, rührt mich zum Beispiel kein Zorn. Sauerei, denke ich dann z. B., da müsste man doch mal….
Denke ich. Also der Umgang damit ist für mich eine Kopfgeburt, keine Angelegenheit des Thymos.
Warum sind wir so wie wir sind? Dazu machen wir als erstes folgende Übung, liebe Leserinnen: wir schließen die Augen, atmen langsam durch und erinnern uns an die letzte starke Emotion, die uns bewegte. Wir versuchen sie festzuhalten, stellen uns das gerne mit Händen vor, und spüren dem dann nach…
Klappt nicht? Sorry, aber bin ich Jesus.
Dann eben volllöten, das geht immer.

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