08.06.2022 – Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte


Das beschreibt die Gegend, in der ich in Berlin wohne, auf den Punkt. Hier wohnt eine gutsituierte, alternative , weisse Mittelschichtsklientel, materiell meist sorgenfrei, und widmet sich in gentrifizierter, charmanter Umgebung gerne einer Mischung aus grobem Unfug und esoterischem Blabla. Siehe Bild. Für die, die einer 3-Linien-Koks oder zwei Pullen Wein pro Tag Sucht frönen, dürfte so ein Angebot wie oben schnell in einer zusätzlichen Abhängigkeit von einem Scharlatan und einem um mehrere 1000 Euro erleichterten Konto enden.
Wer heutzutage noch graphologische Gutachten anbietet und auf seiner Homepage eigene Bilder, die den Tatbestand eines ästhetischen Schwerverbrechens erfüllen, hat jenes unerschütterliche Selbstbewusstsein, dessen es bedarf, Menschen mit Humbug Taler aus der Tasche zu ziehen.
Chakren, wer es schon immer wissen wollte, sind Energiezentren irgendwo in unserem feinstofflichen Astralleib, durch Kanäle miteinander verbunden, und wenn wir ordentlich meditieren oder daran rumschrauben, fließt die Energie frei und wir können den Unsinn dieser Welt gelassen und faltenfrei im Gehirn ertragen.
Und falls Sie, liebe Leserinnen, sich jetzt auf diese Art Kanalverkehr einlassen wollen , viel Erfolg. Die Existenz solcher ominöser Kanäle und Zentren konnte bisher nicht bewiesen werden und wird es bis zum jüngsten Gerücht auch nicht.
Aber wenn es doch hilft und heilt und warum ich nicht toleranter sei? Unter anderem, weil derartiger Unfug oft Hand in Hand geht mit rassistischer und antisemitischer Ideologie, siehe Rudolf Steiner, der ein begeisterter Anhänger von derartigem Quatsch war. Und solcherlei Klientel ist folgerichtig extrem anfällig für Coronaschwurbelei.
Ich fühle mich hier übrigens sauwohl. Es ist eine ganz bunte, sehr schöne Gegend, überaus anregend und aufregend.
Kein Wunder, dass hier, im Bergmann Kiez in Kreuzberg, täglich Horden von Touristinnen durchtrampeln.

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