24.07.2022 – Arsch und Eimer


CSD Berlin 23.07.22.
Der CSD Umzug ist mit ca. 500.000 TN ein in vieler Hinsicht gesellschaftliches Grossereignis und kann durchaus An- und Einsichten vermitteln. Er ist angesichts wachsender Homo- und Transfeindlicher Hass-Verbrechen notwendig wie eh und je. Einerseits. Anderseits: Sein Motto: Gegen Hass, Krieg, Diskriminierung. Whow. Wie umstürzlerisch. Und jede Menge Diversity.
Dem Chronisten kamen da erhebliche Zweifel. Die Wagen waren alle gleich groß, hatten alle gleiche Fahnen, Parolen, die gleiche Musik, die Menschen auf den Wagen waren alle gleichen, jungen Alters, bewegten sich gleich, die TN marschierten alle in die gleiche Richtung, sahen gleich aus, hatten also Tattoos und ab und zu bunte Fähnchen umhängen, eine phantasievoll gekleidete Drag Queen war die absolute Ausnahme. Ich könnte das hier zu Tode reiten, geschenkt. Im Vergleich zum Karneval der Kulturen, einem anderen Berliner Grossevent, war es ein langweiliger Reichseinheitsbrei. Schlimmer: Ca. 80 Prozent der Wagen, die ich gesehen habe, waren von Konzernen und Banken, also jenen gesellschaftlichen Strukturen, die dafür verantwortlich sind, dass unser Planet zusehends unbewohnbar sind, und die an eben jenen Kriegen mitverdienen, die das Motto der CSD anprangerte. Soviel schiere Blödheit, kommerzielle Verlogenheit und moralische Impertinenz wie beim CSD ist mir lange nicht untergekommen. Diversity und Identität, es gibt kaum Begriffe, mit denen zur Zeit so viel vernebelt und verlogen wird. Postmoderne Arsch und Eimer.

Ebay mit Doitschlandfahne

Diversity? Flaschensammler mit Alditüte.

Working class queeroes. Der einzige Beitrag, der in die Nähe von gelungenen Humor kam.

Und am Ende muss irgendwer den Dreck wegmachen.

Wann kommt mal jemand auf die Idee, bei solchen Umzügen auch mal ein paar von den Kolleg*innen mitfahren zu lassen,  die den Dreck wegmachen …

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