31.07.2022 – Über verhängnisvolle Gleichzeitigkeiten

Hortensie. Nicht zu wenig gegossen, sondern von der Sonne, von oben verbrannt. Die stand jahrelang an diesem für Hortensien idealen halbschattigen Ort. Geht nicht mehr. Auch bei anderen Halbschattengewächsen wie Funkien ähnliche Phänomene. Ich werde also ein Probebeet winterharter Sukkulenten anlegen, mit Trinkwasser zu gießen finde selbst ich als Nichtöko mittlerweile obszön. Die Klimakatastrophe schleicht sich auf ganz leisen Pfoten in unsere Gärten, in unsere glutdampfenden Cities, in schlecht gedämmte Dachgeschosswohnungen, wo das Leben im Sommer zur Hölle wird, in unsere Urlaubsziele am Mittelmeer, wo es Wasser nur noch in zwei Zuständen geben wird: Meerwasserversalzen oder gar nicht. Wir sind mitten drin. Wie es enden wird? Düsteres, dystopisches Fazit der BBC-Umweltikone Roger Harrabin: Die technologischen Lösungen gegen eine Klimakatastrophe kommen zu spät und die kapitalistische Gier wird uns den Rest geben. Zitat: „Umweltschützer wurden für … Warnungen lange verspottet, leider sieht es immer mehr danach aus, dass sie recht behalten werden. Ich bin froh, dass ich bis Mitte des Jahrhunderts unter einem Baum begraben liegen und es nicht mehr herausfinden werde.“

Ich fröne derweil meinem persönlichen Survivaltraining, Flanieren im Betonmoloch Berlin bei 38 Grad. Wobei Berlin im Unterschied zu anderen Metropolen eine grüne Wellness-Oase ist. Im fast völlig entgrünten Paris wird menschliches Leben im Sommer zum Survival-of-the-fittest-Contest. Ein Aufenthalt in einem der zahlreichen schattigen Berliner Parks erfreut die erhitzte Haut, sorgt aber mitunter für Wallungen im Kopf. Wie der Anblick dieser Statue, vermutlich bis ziemlich sicher aus den 50ern.

Frauenbild der 50er. Demütig auf den Knien, dem männlichen Blick und Zugriff schutzlos ausgeliefert. Das kann als zeitgeschichtliches Dokument eines obsoleten Frauenbildes gelesen werden. So weit, so legitim. Es kann aber auch als tagesaktuelle und bitter-wirkmächtige Männerphantasie und Projektion von abartigen Bildern im Kopf gelesen werden. Siehe Abtreibungsurteil des Supreme-Courts in den USA, wo eine Bande religiöser, faschistoider Fanatiker ihre Phantasien vom männlichen Zugriff auf den weiblichen Körper Gesetzesrealität werden ließ. Von wegen 50er des vorigen Jahrtausends.

So wie wir jetzt schon mitten in der Zukunft der Klimakatastrophe sind, so hält uns die vermeintliche Vergangenheit weiter und immer mehr im Würgegriff. Sollte mich wundern, wenn wir zwischen dieser verhängnisvollen Gleichzeitigkeit der Zeitebenen nicht zerrieben werden.

Parmesan und Partisan,

Wo sind sie geblieben?

Parmesan und Partisan,

Beide wurden sie zerrieben.

(Matthias Beltz https://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_Beltz )

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.