05.08.2022 – Wer das beschädigt, wird erschossen.


Aus der Ausstellung Werbepause – the art of subvertising. Kunstraum Kreuzberg/Bethanien. Die praktische Umsetzung der Skulptur im Beitrag vom 03.08.2022 in die Stadtöffentlichkeit.
Es geht in der Ausstellung um Gegenöffentlichkeit und künstlerische Intervention, das Eingreifen. Zitat: „Subvertising (auch bekannt als Adbusting) kann als eine Handlung definiert werden, die den Zweck der Werbung stört. Es ist der Versuch, in die visuelle Landschaft einzugreifen und die kapitalozentrische Hegemonie im öffentlichen Raum zu untergraben.“
Also: Wir öffnen Werbekästen in der Stadt, entfernen den hirnbeleidigenden Dreck, der da drinnen hängt und mitverantwortlich dafür ist, dass wir mit unserem pathologischen Konsumverhalten die Lebensbedingungen unseres Planeten zerstören, und ersetzen ihn. Durch etwas, das zum Nachdenken anregt, siehe oben, und nicht dazu, in den nächsten Shop zu rennen und Müll zu konsumieren. Wie machen wir das?

So. Hängt in der Ausstellung, ist ein Aufruf zu einer Straftat. Wenn man es wörtlich nimmt. Nimmt man es als Kunst, sieht die Sache anders aus. Dann ist es ein Beitrag zur Diskussion über das Spannungsfeld von Legalität und Legitimität. Der Tagesspiegel ließ in der Rezension über die Ausstellung die Feuilleton-liberale Maske fallen und bellte beinhart das Kapital-treue Credo: Eigentum ist unverletzlich. Wer das beschädigt, wird erschossen. Hat er natürlich nicht geschrieben, das ist nur eine meiner Infamien. Aber die gesamte Rezension beschäftigte sich ausschließlich damit, dass hier öffentliche Fördergelder zur Finanzierung für Aufrufe zu Straftaten verwendet wurden. Nicht eine Silbe zur gesellschaftlichen Legitimität des Ausstellungs-Anliegens.
Die Ausstellung besitzt übrigens hohe künstlerische Opulenz und Autonomie, handwerkliche Kompetenz, Originalität. Eins meiner Lieblingsbilder, es geht natürlich nicht nur um die perversen Kinderficker der katholischen Kirche:

Ruin Air. Allen Billigfliegern und der Welt als memento mori zugeeignet.
Für solche Ausstellungen brauchen die Verantwortlichen Mut. Wenn man dafür in den Medien angepisst wird, zieht beim nächsten Projekt die Kultusbehörde unter Umständen den Schwanz ein und verweigert Fördermittel. Es sei denn, man hat da Bündnispartnerinnen, die nicht völlig verblödet und versteinert sind. Wie in Berlin.
Einen besseren Ort als Bethanien am Mariannenplatz gibt es für die Ausstellung nicht. Das Bethanien war eine der ersten Besetzungen vor über 50 Jahren.
Rio Reiser darüber im Georg-Rauch-Haus Song :
Der Mariannenplatz war blau, soviel Bullen waren da
Und Mensch Meier musste heulen, das war wohl das Tränengas
Und er fragte irgendeinen: „Sag mal, ist hier heut ’n Fest?“
„Sowas ähnliches“, sagte einer, „das Bethanien wird besetzt“

(Die letzten beiden Zeilen werden im Bolzenschneider-Bild oben zitiert, der Preis 19.71 € ist eine Anspielung auf das Jahr der Besetzung.)
Der genius loci vom Bethanien ergreift jedes Mal Besitz von mir, wenn ich durch dessen Hallen wandele, eine ganz eigene Gefühlsmischung. Steine können doch singen.
Allerdings hatte die Ausstellung einen bitteren Wermutstropfen inne, dazu später mehr.
Genug geschwafelt. Ich muss jetzt Flüge nach Korfu checken.
Möglichst billig.

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