11.02.2024 – Die Marx Brothers im Krieg oder: Kein Film ist so verrückt wie das Leben.

Närrische Zeiten. Ich bin mal auf die Ostermärsche heuer gespannt. Wie zerrissen wird sich diese Bewegung darstellen? Alle wollen Frieden. Aber um welchen Preis? Was ist wichtiger, Frieden oder Freiheit? Gibt es den gerechten Krieg? Wie verhalten „wir“ uns, wenn der Russe kommt? Der Böse ist ja immer der Russe, während die Nato eine Art Friedenscamp von Späthippies darstellt – Motto: Love and Peace -, die (noch) nichtkiffende Fraktion der Friedensbewegung. Wer was anderes behauptet oder das auch nur in Ansätzen relativiert, wird bei uns niedergemacht. Bildlich gesprochen. Natürlich ist Putin ein Imperialist, Chauvinist, und gehört vor ein Kriegsgericht, aber in diesem Stück gibt es mehrere Schurken. Das Leben ist nicht schwarz/weiß, sondern mitunter schwarz/schwarz, Gauner und Lumpen, wohin man blickt. Der Westen hat mit seinen komplett gescheiterten Interventionen in den letzten Jahren allein im Irak, Libyen, Afghanistan eine blutige Spur hinterlassen, bei der sich man sich fragt, was hat sich dadurch in den Regionen verbessert?

Das kann man im Hinterkopf haben, wenn man die Schlagzeilen der letzten Stunden liest. Wer zu Verschwörungstheorien neigt, kann hier eine abgesprochene Choreographie vermuten. Ich tue das nicht. Ich halte die Welt für so verrückt, dass sich das von selbst orchestriert. Es ist wie im Western:

In der Exposition wird die Bedrohung für die Guten ausgemalt und der Antiheld eingeführt, Putin, wer sonst. Der Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz (das ist eine Art Workshop für Friedenscamps, wo sich die Oberhippies regelmäßig zum großen Ratschlag treffen) hält einen russischen Angriff auf Nato-Gebiet für nicht ausgeschlossen.

Nun folgt im zweiten Akt der Gute, der das Rettende am Horizont sieht und das zögernde Fußvolk von den Mühen und Opfern überzeugen muss, die dieser Weg kostet: Der Generalinspekteur der Bundeswehr (ein Häuptling mit ganz vielen Federn im Kopfschmuck) will, dass wir in fünf Jahren kriegstüchtig sind.

Im dritten Akt tritt der Bösewicht auf. Er hat Kreide gefressen und heuchelt, alles nicht so schlimm: Putin will Polen nicht überfallen . Es sei denn, Polen greift Russland an. Also alles gut? Nein, wir Zuschauerinnen sehen jetzt aus dem Hintergrund eine dunkle Gefahr nahen. Für die Angriffslust des Polen gibt es historische Parallelen, schließlich hatte der Pole ja auch schon Hitler überfallen, der Überfall auf den Sender Gleitzwitz , laut anderer Quellen auch Leihwitz, und damit den Zweiten Weltkrieg ausgelöst, den Hitler unbedingt vermeiden wollte. Er war ja nicht nur Vegetarier, sondern auch Pazifist, weshalb ich damals bei den Friedensdemos in den Achtzigern immer skandierte: Deutsche Pazifisten, Mörder und Faschisten. Das zeigt der Film, der nun immer irrer wird und dem Leben näher kommt, in Rückblenden.

 Im vierten Akt des Westerns macht sich unter der Bevölkerung Hoffnungslosigkeit breit: Wenn der Russe kommt, wird uns der spätere Oberhäuptling Trump nicht nur nicht helfen, sondern seinen Buddy Putin noch ermutigen, uns platt zu machen Das Weiße Haus findet diese Ermutigung zwar ungeheuerlich und völlig verrückt, aber wer diplomatische Gepflogenheiten kennt, weiß: Da, wo ein Dementi oder eine wie auch immer geartete Stellungnahme erfolgt, ist was dran.

Im fünften und letzten Akt kommt aus der Ferne unter Fanfarenstößen die rettende Kavallerie angeritten. In unserem Filmfall die Marschkolonnen der österlichen Friedensdemos, die intonieren: Give peace a chance.

Als Hauptdarsteller für diesen Film hätte ich gern die Marx Brothers, die Inszenierung sollte ihrem Meisterwerk „Duck soup (Die Marx Brothers im Krieg)“ entsprechen.

Sie fragen, ob ich eventuell zu viel gekifft hätte? Die Antwort gibt’s am 1. April. Da wird Cannabis legal. Prost einstweilen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert