02.05.2017 – Heraus zum 2. Mai.

hafen city
Wird man hier in 40.000 Jahren auf Höhlenzeichnungen und Artefakte stoßen, die Auskunft über das Leben der Bewohnerinnen geben, ähnlich der Höhle von Lascaux? Hamburg Hafen City, als Gentrifizierungsförderndes Elitenprojekt ideologisch scharf zu verurteilen, als ebenso kühner urbaner wie einseitiger Entwurf faszinierend. Das ist da wo die Elbphilharmonie steht. So faszinierend ich das Hafen City Viertel städtebaulich finde, sozusagen auf der Oberfläche und jenseits der Ideologie, so wenig möchte ich da wohnen. Das ist noch toter als der Zentralfriedhof. Lebendig hingegen war mein 1. Mai.

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Aktion der Gruppe Gnadenlos Gerecht auf der Bühne der Maifeier in Hannover. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte.
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Hinterher müssen die Massen natürlich per Flugi und Gespräch agitiert werden.
Scheißt der Hund am 2. Mai
ist der 1. Mai vorbei.
Alter Arbeiter und Bauern-Regel. Auch sonst ist einiges vorbei. Zum Beispiel meine Neigung, bei manchen Vorfällen wie das HB Männchen in die Luft zu gehen. Neulich musste ich einen Vortrag halten, was man heute aber gar nicht mehr sagt, vielmehr sagt man, wenn man Leute zutextet, jetzt Impuls oder Keynote. Blabla. Sowas kann ich ganz gut, im Gegensatz zu Reifenwechseln bei Autos oder CNC Fräsen. Ein nach mir Vortragender hatte einen Teil von dem, was ich erzählt hatte, nicht kapiert, erdreistete sich aber dem Publikum anzutragen: „Anders als mein Vorgänger sagte, ist es so …“
Noch vor einem Jahr wäre für diese Impertinenz eine Verbalhinrichtung der ersten Kategorie erfolgt. Wenn ich etwas nicht habe, sind es Hemmungen, und wenn ich etwas gelernt habe, sind es spontane öffentliche Interventionen. Der junge Mann wäre im Normalfall wie ein begossener Pudel von der Wallstatt geschlichen. Früher. So aber guckte ich ihn nur an, dachte bei mir: Du Vollidiot, schwieg und hoffte, dass meine Haare richtig sitzen würden. Die verantwortliche Person der Veranstaltung, auch jüngeren Alters, sagte nach dem Ende der Veranstaltung zu mir: „Danke fürs Dasein.“
Danke fürs Dasein? Früher hätte ich da aus gekränkter Berufsehre mal nachgefragt, wie das denn bitteschön gemeint sei. So lachte ich mir auf dem Nachhauseweg eins beim Einordnen dieser Bemerkung in ein Zeugnisschema. Setzen. Fünf. Eins wäre: Danke für den einmaligen Vortrag. Zwei wäre: Danke für den guten Vortrag. Usw. usf. Meine Fünf ist nur noch durch die Sechs zu toppen: Danke fürs Nicht-Dasein.
Am Abend bei einer Feier schöner Dialog, es ging um Kindheitserinnerungen.
Kumpel: „Meine Kindheitserinnerungen sind die Comics von Marvel.“
Ich: „Meine Kindheitserinnerungen sind die Höhlenzeichnungen von Lascaux.“
Und manchmal fühle ich mich auch so. Gereift, weise, gelassen.
Bis zum nächsten Mal, wo mir einer dämlich kommt. Der kriegt die doppelte Ladung ab, für den Vollidioten von oben gleich mit.

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