06.06.2017 – Karneval der Kulturen und die uniformierte Möblierung des öffentlichen Raumes

polizei beim karneval der kulturen
Polizeipräsenz beim Karneval der Kulturen Pfingsten in Berlin. Am Tag vorher war der Anschlag in London.
Im Vergleich zu Brüssel ist die Polizeipräsenz in Berlin im öffentlichen Raum noch gering und wenig martialisch. In Brüssel steht an jeder zweiten Ecke (Para-?) Militär, junge Burschen mit langläufigen Maschinenpistolen, an jedem dritten Häuserblock ein Militär-MKW. Was bewirkt die uniformierte Möblierung des öffentlichen Raumes bei mir? Ich kann eher sagen, was es nicht bewirkt: Distanz und Abwehr gegenüber Mitgliedern des Repressionsapparates, bei ex-rebellischen Angehörigen meiner Alterskohorte ein nicht seltenes Phänomen. Wer damals nicht in jedem zweiten Satz „Bullenterror“ unterbrachte, war für höhere Kaderaufgaben ungeeignet. Wenn ich für jedes „Bullenterror“, dass der vormalig autonome Ex-Außenminister Joseph Fischer in seinem Leben hinter sich fallen ließ, einen Euro kriegen würde, bräuchte ich mir um die Finanzierung der Resturlaube während meines Daseins in diesem irdischen Jammertal keine Gedanken zu machen.
Ich habe also keine Abwehrreflexe gegenüber der Polizei. Froh bin ich natürlich auch nicht, wenn ich die in solchen Zusammenhängen sehe. Verhindern tut deren Anwesenheit nichts. Anschläge gehören absehbar zu unserem Alltag, so wie Fahrradunfälle, 17 Tote allein in Berlin letztes Jahr, viele bei rechtsabbiegenden LKWs, die keine Blickhilfen wie Kameras für tote Winkel haben. Zu teuer. Scheißkapitalismus. Alle ÖPNV Busse in Berlin haben solche Kameras. Würde der ÖPNV privatisiert, stünden solche lebensrettenden Maßnahmen als erstes auf der Streichliste. Und dann plärren irgendwelche Hirnreduzierten Troglodyten was von „Privatisieren, deregulieren, Effizienzoptimierung, blablabla,“. Und die FDP feiert Wiederauferstehung.
Sowas ruft bei mir Distanz und Abwehr hervor. Diese Formulierung ist der Euphemismus des Monats.
Wir brauchen einen deutlich ausgebauten und ausreichend finanzierten öffentlichen Sektor, ein Privatisierungsmoratorium und das Verbot von Public-Private-Partnership PPP, also einer Veranstaltung, bei der die Kapitalisten gemeinsam mit dem Staat ein Unternehmen aufmachen, wobei sie letzteren gnadenlos über den Tisch ziehen. Die Risiken bleiben öffentlich, der Gewinn bleibt privat, das nennt der Komiker dann „burden-sharing“. Der Bundesverband PPP sitzt in Hamburg am Neuen Wall, der exklusivsten Einkaufsstraße des Universums, und wer glaubt, da sitzt man, weil man gemeinwohlorientiert auf Maximal-Rendite verzichtet, der glaubt auch daran, dass wir grundsätzlich so weiterwirtschaften können wie bisher.
japanischer flieder (1)
Schmetterlings-Flieder. Vor ca. 30 Jahren in unserem Garten. Wenn man an dem vorbeiging, flatterten Wolken von Pfauenaugen und Admirälen hoch.
rose
Jetzt steht in meinem Garten nicht nur Schmetterlingsflieder, sondern blühender Lavendel, Clematis und Rosen sonder Zahl. Und trotzdem: Ich habe im letzten Jahr nicht einen Admiral, nicht ein Pfauenauge dort gehabt, ab und zu mal ein Kohlweißling und wenn ein Zitronenfalter auftauchte, war schon Euphorie angesagt. In diesem Jahr ist bisher noch nicht ein einziger Schmetterling hier aufgetaucht.
Da könnt man echt zum Öko werden. Aber Öko ist nur ein Nebenwiderspruch. Wer wissen will, was ein Nebenwiderspruch ist, möge das bitte googeln.
Mir reicht’s für heute.

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