15.07.2017 – Der Tanz ums goldene Kalb

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Kunstobjekt auf der EXPO 2000 in Hannover. Es scheint sich – siehe Hörner – um eine Darstellung des Bullen zu handeln, der für eine Hausse beim Aktienhandel steht. Für Baisse, also Flaute, Abschwung, steht der Bär. Vor den Börsen der meisten wichtigen Handelsplätze stehen Bulle & Bär Skulpturen, eine vollkommen verschnarchte auch in Frankfurt. Ob diejenigen, die diese Symbolik gesetzt haben, sich über deren hinterlistigen metaphorischen Gehalt im Klaren waren? Schließlich gehören ausgewachsene Bullen zum Beuteschema von Pretadoren wie dem Grizzly. Die Krise frisst uns also letztlich alle. Ins Bild gesetzter Marxismus vor den Börsen dieser Welt – find ich gut.
An das goldene Kalb muss ich im Zusammenhang mit dem vermutlich aufgeklärten Diebstahl der 100 kg Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum denken. Eine 100 kg Goldmünze ohne jeden ironisch gebrochenen Hintergedanken zu prägen, empfinde ich als perversen Kotau vor dem Fetisch „Geld“. Dass tausende Besucher solche Münzen (davon wurden mehrere geprägt) bei Ausstellungen bewundern, ist an platter „Tanz ums Goldenen Kalb“ Symbolik nicht zu überbieten. Die biblische Geschichte ging übrigens nicht gut aus. Unter anderem stiftete Moses im Zusammenhang mit der Zerstörung des Kalbes die Leviten an, 3.000 Israeliten zu erschlagen.
Also hat es mich klammheimlich gefreut, dass die Münze geklaut wurde. Robin Hood und so, künstlerischer Akt mit befreiender antikapitalistischer Wirkung. Gefreut hat mich auch, dass die Täter aus meinem Berliner Kiez, Neukölln, kamen. Die kommen direkt vom Körnerpark, einer zauberhaften Location, an der ich gerne mal für ein Jahr abhängen würde. Das färbt doch auf einen ab: „Du, da wo ich wohne, da klauen sie 100 kg Goldmünzen.“ Da kommt man sich ja fast vor wie ein Gangsta-Rapper. Yo digga, cool mon.
Gedämpft wurde meine Freude durch die Tatsache, dass die Täter vermutlich aus arabischen Clan-Zusammenhängen stammen. Ich verfalle nicht angesichts des Diebstahls in einen „Ausweisen“ Reflex“, dazu sitzt mein Vorbehalt gegenüber dem Prinzip „Kapitalismus“ zu tief. Allerdings bin ich beinharter Anhänger der Werte der Aufklärung, deren Kern ziemlich präzise im Artikel 3 des GG beschrieben ist:
„… (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“
Antisemitismus, Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Homophobie haben also in unserer Gesellschaft keinen Platz. Was das in letzter Konsequenz heißen sollte, nämlich bei massiven und nachhaltigem Verstoß gegen diesbezügliche Straftatbestände, darüber sollten sich auch Linke intensiver einen Kopf machen als bisher. Parallelgesellschaften sind nicht akzeptabel. Nein, das ist kein rechter Kampfbegriff. Natürlich gibt es Parallel-Gesellschaften in unserem Staat. Die zwei Größten heißen: Arm und Reich.
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EXPO 2000 – auch parallel.

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