03.10.2017 – Auf der Suche nach dem heiligen Gral am Tag der Einheit.

akkordeon
Akkordeon Orchester beim Apfelfest im Willy-Spahn-Park in Ahlem. Vor Jahrzehnten habe ich mal in einem Dorfgasthof in Dedensen einen Quittenbrand getrunken, der war so einzigartig im Geschmack, dass ich vor dem Glas in die Knie sank und es anbetete und lobpries. Seitdem bin ich wie Parzival. Auf der Suche nach dem heiligen Gral des finalen Quittenbrandes, des ultimativen, alles erlösenden Geschmacks. Einmal noch diesen orgiastischen Moment der erlösenden Verzückung spüren, wissend, dass die Erfüllung gefunden ist, das Suchen ein Ende hat. Jedes Apfel- oder Kürbisfest auf dem Globus ist meins, denn dort gibt es mitunter einen dieser raren Quittenbrände. Die handelsüblichen Brände von Ziegler et. al. habe ich lange durch. Vergebens, aber keineswegs umsonst, die Suche hat mich ein kleines Vermögen gekostet. Auch der Quittenbrand beim Apfelfest im Willy-Spahn-Park in Ahlem war eine einzige Enttäuschung, eine 0,35 Liter Flasche für fast 30 Ocken schmeckt fuselig-sprittig, mit Anklängen an Möbelpolitur.
Die Restflasche kriegt ein Nachbar geschenkt, dem fasele ich was von meiner Quittenallergie vor und den Geschmack gülden, dann muss er mir dankbar sein und ich sehe das Desaster nicht mehr.
Verzweiflung ergreift mich. Meine Zeit rinnt dahin und ich werde fortgehen, ohne den Gral zu finden.
Aber das Akkordeon-Orchester war schön. Ich würde auch gerne Akkordeon spielen. Dann würde ich fortgehen, und zwar nach Louisiana und Cajun Musik lernen, in der Tradition der Balfa Brothers zum Beispiel, die man hier in einem Ausschnitt aus dem grandiosen Film „Southern Comfort“ sehen kann (Musik von Ry Cooder!). Da würde ich so einen kulturalisierten Schmonzes wie die Suche nach dem heiligen Quitten-Gral schnell vergessen und mir jeden Tag die Birne mit Selbstgebranntem zulöten.
Mein trüber Alltag sieht aber so aus, dass heute der Tag der Einheit, vulgo Annexion der ehemaligen Ostzone, ist und an dem Tag läuft mir seit 28 Jahre die Galle über. Ich war von Anfang an dagegen, aus simplen systemtheoretischen Gründen. Wenn es zwei konkurrierende Systeme gibt, bleibt der Preis, den die Systeminsassen zu zahlen haben, tendenziell stabil. Gibt es nur noch ein System, in unserem Fall Kapitalismus, verfällt der Preis. Ein Blick ins Lehrbuch der Ökonomie des verfallenden Preises zeigt: 40 Prozent aller Beschäftigten in der BRD haben seit den 90er Jahren Einkommensverluste erlitten.
Wenn von zwei Bäckereien im Kiez eine zumacht, werden die Brötchen bei der Übriggebliebenen teurer. Das leuchtet sogar Hein Blöd ein.
Sollte man meinen.
Was wir aber statt Er- und Einleuchtung haben, ist völkischer Kladderadatsch.
Ach, was reggae ich mich auf. Ich erfreue mich an den Resten meiner Sonnenblume Goldener Neger.
goldener-neger-on-reih-und-
Der hat sich mittlerweile in Reih und Glied ausgerichtet, wie sich das für einen ostgotischen Goldenen Neger gehört. Und ich erfreue mich daran, dass die Jugend mitunter doch noch von meinen weisen Worten ergriffen ist, wie man hier im Radiobeitrag unter „Sonnenblume Goldener Neger“ hören kann.

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