08.10.2017 – Eines langen Taqes Reise in die Nacht

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Irgendwann bin ich dann nach dem rätselhaften Rathenow über das stabile Stendhal und das ueltimative Uelzen in meine heimatliche Homebase gelangt. Es war eines langen Tages Reise in die Nacht. Das Stück gleichen Namens von Eugene O‘ Neill ist für mich ein ziemlich öder Stremel. Familiengedöns, ich bin in einer aufgewachsen, das hat mir gereicht, das muss ich nicht noch auf der Bühne haben. Aber der Titel bringt es poetisch auf den Punkt. Es war ein langer Tag, ohne den hätte ich Rathenow nicht kennengelernt. Was meinen Hang zu ungewöhnlichen Aktionen (außer mir ist von dem Häuflein Versprengter von Rathenow niemand mehr in Hannover gelandet) verstärkt hat. Wenn ich überhaupt einen Tipp geben kann, wie man (bei Tipps für Frauen bin ich eher zurückhaltend) sein Leben etwas sinnvoller gestalten kann: Machen Sie ab und zu was Antizyklisches, Ungewöhnliches und laden Sie das im Idealfall mit einem kulturellen Impuls auf. Beispiele demnächst.
Die Tipps zum Flirten im Internet waren übrigens sensationell. Vor allem so Sachen wie „Merk Dir den Namen Deines Gegenübers“ … Warum wird sowas nicht in der Schule gelehrt?! Stattdessen müssen die Schüler_innen (ich hab auf diese Schreibweise gesetzt, leider entwickelt sich offensichtlich die „*“ Variante „Schüler*innen“ zum Standard. Gärprozesse halt) sowas lesen wie „Eines langen Taqes Reise in die Nacht“. Das wirkt doch eher abschreckend.
Meine heimatliche Homebase ….Wenn ich die öffentliche Diskussion nach der Bundestagswahl richtig verfolge, stehen nach der Zäsur durch den Einzug einer genuin faschistoiden Partei wie der AfD in den Bundestag drei Topoi im Mittelpunkt: Modernisierung, Spaltung, Heimat.
Das passt wie Arsch auf Eimer. Es hätten ja auch Fortschritt, Solidarität und Internationalismus sein können. Was jetzt ein Witz ist. Eher wird Arminia Bielefeld Champions-League Sieger als dass solche Diskurse geführt werden.
Ich hab nichts gegen Modernisierungs-Diskussionen. Ich habe mit der ständigen Veränderung auch mitunter Bauchschmerzen, aber wenn die Diskussionen so ablaufen, dass den Modernisierungsverlierern und – Verweigerern weiter so wenig Chancen zum Luftholen, Innehalten gegeben werden und ihnen das Gefühl vermittelt wird, sie seien individuell an ihrem Looser-Dasein schuld, dann zementiert genau das die ohnehin katastrophale Spaltung unserer Gesellschaft. Was dann bleibt, ist der Rekurs auf einen unfassbar kontaminierten Begriff wie Heimat. Wie der bereits jetzt wieder völkisch aufgeladen wird, betrachten Sie bitte aufmerksam an der Realität. Nix gegen Heimat. Ich find meine hier super. Aber da muss ich nicht groß Leitkultur-Gedöns draus machen und Mess-Latte Macchiato für den Rest draus kochen. Heimat hat man, das muss man nicht totlabern.
Apropos…
körnerpark
Die heutigen Gedanken im Blog hätte ich mir dank finaler Kopfschmerzen schenken können, nachdem am Orkantag dem obigen Baum im Körnerpark der Garaus gemacht wurde, just zu dem Zeitpunkt, als ich die famose Ausstellung von Nika Oblak & Primoz Novak in der dortigen Galerie besuchte. Ich hasse Videokunst in Museen, das Medium gehört da nicht hin. Aber die Videos von Nika Oblak & Primoz Novak da sind genial, kurz, präzise und witzig. Mein Tipp: nix wie hin.
But mind your head!

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