27.10.2017 – Wenn gar nichts mehr geht, hilft die Lektüre von Batterien

batterie
Genauer Text und Sinn des Ganzen am Ende dieses Blog-Eintrags.
Wir leben in einem sich verschärfenden Kulturkampf. Jeder politische Konflikt wie der aktuelle mit dem Erstarken einer völkischen Rechten und ihren antizivilisatorischen Reflexen ist immer auch ein kultureller Kampf um die Hegemonie von Bildern, Erzählungen, Mythen in einer Gesellschaft (Nachtigall Gramsci, ick hör Dir trapsen, während ich mich frage , warum ich mich da eben vertippt habe, statt „trapsen“ „strapsen“ geschrieben habe).
Das mit der Bild-Hegemonie insofern nicht unwichtig, weil in der Diskussion darüber, wie umgehen mit der AfD, Hilflosigkeit herrscht. Das mit den besseren Argumenten und dem Appell an die Vernunft und man müsse den Gegner in Diskussionen stellen etc. pp., kurz, das Prinzip „Ratio“, das haut ja weder bei der AfD noch bei Trump noch sonst irgendwo bei der Rechten hin.
Offensichtlich wirken bei den Kräften der Gegenaufklärung untergründig Bildströme, die sie immun machen gegen das Argument. Von Moral mal ganz zu schweigen.
Die Rambo Filme zum Beispiel im kalten Krieg haben mehr antikommunistische (Bild-) Wirkmächtigkeit entfaltet als jeder reaktionäre Geschichtsunterricht in den Oberstufen damaliger höherer BRD-Lehranstalten.
Harmloses aktuelles Beispiel von subkutan reaktionärem Mist: die Asterix und Obelix Comics, von denen es wohl 2017 eine Neuausgabe gibt. Ich fand die früher auch ganz drollig, mangels Alternativen. Im Prinzip geht es um zwei verklemmte kulturlose Haudraufs, die nach alter Art von Männerbündlern nur Saufen, Fressen und Gewalt im Kopf haben, mit Frauen völlig überfordert sind und auf das Eindringen von Zivilisation in ihren Kulturkreis, also auf den Vormarsch der Römer nach Gallien, mit maximaler Aggression reagieren. Das Einzige, was man zu Gunsten von A & O annehmen kann, ist der Gebrauch von Drogen, vulgo der Zaubertrank.
Wenn es eine AfD Entsprechung auf Comic Ebene gibt, dann sind es diese beiden Dumpfmeister Asterix und Obelix. Bei mir war die Begeisterung für diese Art Comics in dem Moment gestorben, als amerikanische Underground Comics hier landeten, wie fremde Wesen aus dem Weltall.
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Zum Beispiel der schräge „Fritz the Cat“, von Robert Crumb, ein arbeitsscheuer, drogensüchtiger, sexistischer Kater, der als Bombenleger bei einer Terrorgruppe landet und schließlich von einer Frau, die er verarscht hat, mit einem Eispickel (Anspielung auf den Mord an Trotzki) erstochen wird. Und nicht wie Wikipedia schreibt: „erschlagen wird“. So ein Blödsinn, da macht die Anspielung auf Trotzki überhaupt keinen Sinn.
Während der regelrecht niedlich-harmlose, handwerklich biedere Farb-Strich bei Asterix und Obelix die eigene Perspektive immer nur wiederholt und verstärkt, wird sie bei Crumb zuweilen derbe verschoben, düster schwarz-weiß die Paneels, nie niedlich-identifikatorisch, das ist bestimmt kein Kater zum Knuddeln, sondern ein Kotzbrocken.
Wer Fritz the Crumb goutiert, ist natürlich per se kein besserer Mensch als der Asterix und Obelix Freund, aber im Zweifel weniger langweilig. Und das ist schon mal kein schlechter Ansatz, um im Auftrag der Aufklärung unterwegs zu sein.
Und wenn gar nichts mehr geht, hilft die Lektüre von Batterien. Auf meiner steht gerade:
„Achtung, kann explodieren oder lecken, wenn aufgeladen, eingefügt unrichtig oder in über Feuer verfügt hat. Öffnen Sie Batterien nicht.“
Und ich mach mir wegen „strapsen“ Gedanken.

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