31.10.2017 – Notwendige, aber keineswegs hinreichende Überlegungen zur Unterscheidung von Dandy und Snob.

Ein Dandy sollte jederzeit sicher in allen Kleidungsstilen und – arten sein. Ein Snob muss für sowas in Ratgebern nachschlagen.
Dandy ist eine Frage der inneren Einstellung, Snob ist eine Frage des Geldes.
Inwieweit es heute noch den Dandy gibt und was ihn überhaupt ausmacht, ist eine zu diskutierende Frage. Den Snob gibt es sicher noch.
Man sollte sich selbst nicht als Dandy bezeichnen, das wäre stillos. Man sollte danach trachten, einer zu werden.
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Ich trage gerne Smoking, siehe oben
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Aber genauso gerne autonomes Schwarzleder (hier bei meiner „1. Mai Zwerg-Performance“).
Beim Dandy sitzt das Herz links, beim Snob sitzt das Portemonnaie rechts.
Ein Dandy ist Mitglied in keiner Partei, der Snob ist Vorsitzender der Jungen Liberalen.
Ein Dandy kann auch in einem sozialen Brennpunkt wohnen, der Snob kann nur in einem Penthouse überleben.
Ein Dandy kennt sich mit Weinen aus, der Snob prahlt mit seinem Weinkeller.
Der Dandy legt Wert auf Nuancen und Accessoires. Der Snob trägt an allem ein unsichtbares Preisschild.
Stilmittel des Dandys sind Scherz, Selbstironie, Satire und tiefere Bedeutung. Der Snob ist stillos, ironiefrei und dumm.
Der Dandy setzt Trends. Der Snob hechelt ihnen hinterher.
Ein Dandy ist nirgendwo Mitglied, der Snob ist zweiter Vorsitzender im Club der Cohiba Raucher.
Der Dandy ist Kosmopolit, der Snob deutschnational, solange es den Geschäften nicht schadet.
Eine üble Sonderform des Snobs ist der Parvenü, siehe Gerhard Schröder.
Der Dandy trachtet jederzeit danach, eine umfassend gebildete Persönlichkeit zu werden.
Der Snob besitzt Notabitur und lernt „In and Out“ Listen aus dem Playboy auswendig.
Der Dandy benutzt selbst produziertes Rosenwasser als After Shave, der Snob Penhaligon’s Blenheim Bouquet, 200 ml für 100 Euro.
Der Dandy erinnert sich gerne an ein Konzert mit 30 Anderen von Townes van Zandt in einem winzig kleinen verrauchten Club. Der Snob prahlt von seiner VIP-Lounge beim letzten Stones Stadionkonzert.
Der Dandy spart zur Not jeden Monat 10 Euro, um sich alle zwei Jahre einmal ein Essen im besten – keinesfalls im teuersten – Restaurant der Region zu leisten. Der Snob verwechselt die Begriffe „Gourmand“ und „Gourmet“.
Ein Dandy verbringt morgens angemessen lange Zeit vor dem Spiegel, was aber nur ein Eingeweihter erkennt. Bis zum Abend würdigt sich der Dandy dann keines Blicks mehr. Er ist sich seiner selbst sicher.
Der Snob schaut dauernd nach seinem Spiegelbild in Schaufenstern und fragt seine Begleiterin mit jedem Glockenschlag: Wie sehe ich aus?
Der Snob ist eine Wurst. Eine dumme fette Mortadella.

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