19.11.2017 – Das wird man ja wohl noch sagen dürfen

ausstellung-körnerpark
Was für ein Titel für eine Kunstausstellung: Reframing Worlds – Mobilität und Gender aus postkolonial, feministischer Perspektive.
Ich grinse ja politisch gesehen nur noch vor mich hin und in mich rein. In der aktuellen Debatte um Belästigung, Übergriffe und Vergewaltigung zum Beispiel haben sich ja auch jede Menge alte, weiße Männer in den hiesigen Feuilletons unserer Studienräterepublik zu Wort gemeldet, von „Zeit“ über „Welt“ bis „Süddeutsche“, kurz, sie haben sich in all jenen Organen ergossen, die man als Mann von Welt und Geschmack höchstens für rückwärtige Zwecke benutzt. Teilweisiger Tenor ihrer Ergüsse: Nun sollten sich die Weiber aber mal am Riemen reißen, so schlimm ist das alles gar nicht und das (Zoten, dümmliche Anbaggereien etc.) wird man ja wohl noch sagen dürfen und wo bleibt das Flirten etc. pp? Das sind die gleichen Typen, die in wohlgesetzten Worten zu Recht Antisemitismus und Rassismus verurteilen, wenn er, was er fast immer tut, in der rhetorischen Floskel des „Ich hab ja nichts gegen die Juden, aber das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen …“ daherkommt.
Aber wenn es um den eigenen Königstiger geht, der bei einigen mittlerweile nur noch als Bettvorleger taugen dürfte, verschiebt sich die Perspektive auf einmal … Erst können sie das Wasser nicht mehr halten und dann die Tinte nicht. Es ist so lächerlich.
Leider sieht es am entgegengesetzten Ende des gesellschaftlichen Spektrums nicht so hoffnungsvoll aus, dass oben erwähnte Bettvorleger zukünftig einfach mal die Schnauze halten würden.
Der Titel der oben abgebildeten Ausstellung ist derartig peinlich und daneben, einfach komplett unprofessionell und bringt das Desaster des real existierenden Feminismus auf den Punkt: Völlig abgehoben und entpolitisiert akademisch jenseits jeder Wirklichkeit, gekreuzigt in zahlreichen Gleichstellungsbüros und begraben in universitären Zirkeln, wo frau sich überbietet im Zählen von wieviel Geschlechter denn diese Woche neu dazugekommen sind.
Mädels, schon mal was davon gehört, dass in sozialen Brennpunkten 80 Prozent aller Alleinerziehenden, und das sind zu über 90 Prozent Frauen, von Armut bedroht sind?
Schon mal was von Gender Pay Gap gehört?
Oder der gläsernen Karrieredecke?
Wer bitte schön soll sich von so einem Ausstellungstitel angezogen fühlen? Das ist unprofessionell, weil man nicht jeden Mist, der in Fördermittelanträgen drinsteht, in die Wirklichkeit überträgt. Und der Titel ist schlicht falsch. Das Komma bei „ … postkolonial, feministischer…“ gehört da nicht hin. Entweder heißt es „… postkolonialer, feministischer …“ oder „ … postkolonial-feministischer ..“. Beides möglich, aber inhaltlich liegen da erhebliche Differenzen.
Die Ausstellung war übrigens nicht schlecht. Aber welche Rolle spielt das schon.
Einfach auf mich hören, Mädels. Dann klappt das mit dem Feminismus schon.
Gut, dass ich meinen Humor nicht verloren habe. Aber manchmal muss ich mir echt Mühe geben

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