25.11.2017 – Ich schaue gerade aus dem Fenster

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7 Grad, Niesel, Wind von achtern, Trübnis. Da hilft nur eins, um die Laune zu verbessern: Der Blick in den Wirtschaftsteil der Bürgerpresse. Der Ifo Geschäftsklimaindex, also die Lage der Nation in Sachen Wirtschaft, ist so hoch wie nie seit 1969. Es geht uns nicht nur gut, sondern GOLD! Ich werde also nachher auf den Straßen tanzen, Konfetti streuen und Freudentränen vergießen. Was war da eigentlich los, 1969, beim letzten Rekordhoch?
Wir hatten mehr als Vollbeschäftigung, eine Arbeitslosenquote von 0,9 Prozent, die Armutsquote sank seit 1963 kontinuierlich, die wilden Septemberstreiks legten die Grundlage für Lohnerhöhungen anfangs der 70er von über 10 Prozent und der Ex-Außenminister und spätere Lobbyist für Siemens, RWE und BMW, Joseph Fischer fing an, sich warmzulaufen fürs „Bullen“verprügeln im Rahmen seiner militanten APO Karriere. Die früheren Väter der taz, jetzt FAZ Abonnenten, dachten sich allerlei revolutionären Hokuspokus und Mumpitz aus, kurz, es herrschte eitel „Brüder zur Sonne“nschein in der BRD. Die Schwestern rüsteten dann auch nach.
Und heute?
Heute haben wir den IFO noch höher als 69, eine Rekordarmutsquote von 16 %, eine Unterschäftigungsquote von über 10 %, weit über 10 Mio. Menschen wollen mehr, nämlich existenzsichernd, arbeiten, dürfen aber nicht, ab und zu streikt mal ein Lokführer oder Flugkapitän und 2016 hatten wir im Schnitt pro Tag 10 Übergriffe von Neonazis gegen Flüchtlinge und deren Unterkünfte.
Ich schau gerade aus dem Fenster.
Ich lass das mal mit dem Tanzen auf den Straßen, nicht, dass ich es noch im Kreuz kriege. Und alle Leserinnen, die auf konkrete Hinweise für den Weg zum eigenen Leben gewartet haben, muss ich auf den nächsten Blogeintrag vertrösten.
Aber ich hab da einiges in der Pipeline. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zum Schluss: So einen Ratgeber zu schreiben wäre keine schlechte Sache. Ich wollte nächstes Jahr in meiner Berlin-WG sowieso mehr für mich selber machen, auch schreiben zum Beispiel, und bevor ich hier für lau so einen Blog vollkritzele, kann ich doch gleich dem Trend folgen, ins Ökonomische gehen. Ein paar 10.000 Ocken zusätzlich sind doch nicht verwerflich. Ich hör hier mal auf, muss pinkeln, aber grundsätzlich ist die Sache klar:
Non olet.

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