06.12.2017 – Letztlich ist doch eh alles Sackkarre.

no-pasaran
SCHUPPEN 68 Performance No pasaran = „Sie werden nicht durchkommen“, ein Appell von Dolores Ibárruri angesichts des Vormarsches der Franco-Faschisten im spanischen Bürgerkrieg. Der Ausspruch gehörte später, post 68, zur linken Folklore. Wann immer sich irgendwo „Bullenschweine“ (O-Ton 70er ff.) formierten, fand sich so sicher wie das spätere Amen der Geläuterten in der Kirche ein Hygienereduziertes Mitglied des Kommunistischen Bundes Westdeutschland (siehe Winfried Kretschmann, Grüne, MP. MP ist aber nicht die Waffe im revolutionären Volkstanz, sondern der MinisterPräsidenten-Job nach dem gaaaanz langen Marsch durch die Institutionen) oder ein KPD-AO Mitglied (siehe Antje Vollmer, Grüne), das diesen Spruch Mantramässig vor sich hinröchelte wie der Tibeter sein „O nani padme hum.“
Das Foto oben ist von einer Performance aus den 80ern. Auslöser für die Performance: Einerseits habe ich einen unstillbaren Hang zur Rechthaberei, aus dem heraus ich noch Jahrzehnte später gegen derartig geläuterte Biederbacken wie Kretschmann oder Vollmer nachtrete, indem ich sie durch den Kakao oder Schneematsch ziehe, also Existenzen, die ich eigentlich post 68 schon für nichtsatisfaktionsfähig gehalten habe.
Andererseits kann ich mich erinnern, dass wir den Schneemann mit einer Sackkarre vor das hiesige SPD Parteibüro gekarrt haben und ihn dort dem Tauwetter anheimgaben. Symbolgehalt der Aktion: Sobald ein warmer Gegenwind aufkommt, schmilzt der Widerstand der SPD dahin wie Schneemann im Föhn. Egal, worum es geht.
Jaja, wenn der Opa von seinen wilden Jahren erzählt.
Damals konnte man noch wütend auf die SPD sein. Heute aber ist die Tragödie des Arbeiterverrats zur Farce der Hanswurste verkommen.
Das dicke Ende kommt immer zuletzt und es trägt den Namen Lars Klingbeil. Lars Klingbeil Jahrgang 1978, Generalsekretär der SPD. Das neue Gesicht der SPD. Lars Klingbeil ist ungefähr so taufrisch wie das Mesozoikum und redet, dass selbst August Bebel mitten im August in Winterschlaf gefallen wäre. Wäre die SPD eine Sitcom, wäre Lars Klingbeil der running gag, der, der immer gegen verschlossene Türen rennt. Es ist aber die Geschichte einer griechischen Farce.
Die SPD kann machen was sie will, den freien Fall in Richtung 5 Prozent hält weder Ochs noch Esel auf. Die Zukunft der SPD sind ihre ehemaligen MPs Torsten Albig, jetzt DHL Lobbyist in Brüssel, und Hannelore Kraft, jetzt Aufsichtsratsmitglied des Steinkohlekonzerns RAG: Nichts wie weg vom sinkenden Schiff und ran an die Silberlinge, es werden mehr als 30 sein.
Von dem Schlag ist die gesamte Führungscrew. Wo wäre da jemand von der moralischen Integrität eines sagen wir mal Rudolf Dreßler? Ich sehe nur Grottenolme und Schachtelhalme. Deshalb wird die SPD den Weg der Partei BHE – Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten gehen, in den Orkus der Geschichte.
Andererseits: wer bin ich, soviel Steine aus dem Grasshaus zu werfen. Zu derartiger Peinlichkeit wie bei rotgrün reicht es bei mir allemal. Ich war damals, also post 68, undogmatisch linker Sponti (Google-Tipps zur Vertiefung für die Nachgeburt: „Mescalero und Stadtindianer“. Wir Spontis trafen uns im Hauptgebäude der Uni, was schon mal nicht soo verwegen revolutionär war wie unsere Ansichten, eine Gruppe gleichgesinnter „Stadtindianer“. Und diskutierten allen Ernstes, mit Pfeil und Bogen durch die Stadt zu vagabundieren und für Aufruhr zu sorgen. GOTT, wie peinlich war das denn?! Kein Wunder, dass die eine Hälfte von uns in der Psychiatrie landete und die andere Hälfte …. Schwamm drüber. Heute, mit fundierterer Kenntnis – und Praxis – von Dada, der Situationistischen Internationalen und der Kommunikationsguerilla sehe ich das mit dem Pfeil und Bogen etwas positiver. Und falls sich ein paar Kumpels (es war nur eine Frau dabei) von damals, gerne auch Psychiatrie-erfahren, melden: ich wär dabei. Letztlich ist doch eh alles Sackkarre.
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