17.12.2017 – Die böse Politik

rose-im-dezember
Rose im Dezember.
Allenthalben Trübnis, Kälte, Vergänglichkeit, der Blick in den Garten gleicht dem auf eine Schwarzweiß-Fotografie. Aber irgendwie schafft es eine Rose immer wieder, dem natürlichen Kreislauf vom Werden und Vergehen ein Schnippchen zu schlagen. Hartnäckig insistiert sie auf ewiger Jugend, zarter Blüte, köstlichem Glücksversprechen und lacht mich an, wenn ich muffelig und unrasiert mit meinem Biomülleimer zur Tonne stapfe an einem dieser zahllosen Wintermorgen, die sich kaum entscheiden können, ob sie nicht lieber gleich wieder ins dunkelste Nachtkoma fallen wollen. Die Rose lacht mich an, als wolle sie sagen: „Ey, Digga, geht ab! Komm ma runter und mach Dich locka, Du bist ja echt krass mies drauf.“
Ich bölke meistens zurück: „Halt ja die Schnauze, sonst kommst Du in den Biomüll!“
Sie lacht, sie weiß, dass ich blöffe (sieht schöner aus als: bluffe). Wenn ich dann zurück am PC bin, kann ich nach so einer Szene einigermaßen aufgeheitert die Arbeit fortsetzen und finde sogar inneren Antrieb, diesen Blog hier fortzusetzen. Ich schreibe diesen Blog seit cirka 10 Jahren. Früher war er Kulturorientiert, satirisch, vieles erfunden, meist auf der Ebene eines Metablogs, der sich über die Blogschreiberei vieler Zeitgenossinnen, die vor Seelenpein die Tinte nicht halten konnten, lustig machte, oft wurden eigene Kunstprojekte in dem Blog gefeatured. Meine Erwerbsarbeit, meine Jobs spielten kaum eine Rolle.
Duktus und Ausrichtung des Blogs haben sich offensichtlich geändert, dem Lauf der Dinge folgend. Er ist politischer geworden, weniger fiktiv, glatt erfunden respektive gelogen ist kaum noch was, Teile meiner Erwerbsarbeit spielen da, wo sie politische Funktion haben, eine Rolle. Die böse Politik! Vertreibt die gute Laune?
Nee, soweit ist es dann doch noch nicht. Noch erhebt der dräuende Faschismus nicht sein Gorgonzolahaupt (ein Witz für Leute mit ausgeprägter humanistischer Bildung, für den Rest zum Einstieg dieser Link) hinter jeder Ecke.
Gesellschaft und Politik haben aber einen deutlichen Rechtsruck vollzogen.
Und man wacht in der Regel nicht eines Morgens auf, sagt sich: „Ooops, Gesellschaft und Politik haben einen deutlichen Rechtsruck vollzogen, wie verhalte ich mich denn jetzt?“ Den meisten Leuten ist das eh scheißegal, respektive begrüßen sie diese Entwicklung oder profitieren von ihr. Wahrnehmung und Verhalten sind Produkte eines langen Prozesses, der sich oft hinter dem eigenen Rücken respektive unter dem eigenen Bewusstsein abspielt. Zur Einschätzung solcher Prozesse, individueller Entwicklungen, ist das Führen von Blogs oder echten Tagebüchern (da empfehle ich die Papiervariante, das ist intimer, präziser, verpflichtender) ideal. Also befindet sich dieser Blog im Schnittpunkt von individueller und politischer Entwicklung. Wobei jeder Schreiberling sich jederzeit im Klaren sein muss, dass das Führen eines Blogs Konsequenzen haben kann.
stempel
Daher hier ein unpolitisches Foto aus einem meiner früheren Leben, als ich noch stellvertretender Leiter der Stempelbeschaffungsabteilung einer Maschinenbaufirma war.
Ich besitze eine gigantische Stempelsammlung, wundervoll archaische Artefakte aus einer entschleunigten analogen Zeit, in der technische Zeichnungen noch mit der Hand gefertigt wurden! Außerdem ist das Teil meiner Altersvorsorge. Die Sammlung dürfte jetzt schon mehrere Milliarden wert sein.

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