29.12.2017 – Ich habe einen eigenen Zen-Garten

portwein
Zen-Garten. Mit Portwein Probe.
Ich habe eine hohe Stressresistenz. Auf einer Skala von 0 bis 10 würde ich die bei 11 einordnen. Mir fällt spontan wenig ein, auf das ich mich im öffentlichen Raum, Job- oder Projektmässig nicht einlassen würde, abgesehen von sowas wie Skispringen oder Wingsuit-Fliegen. Auf der anderen Seite besitze ich einen bedauerlichen Mangel an Gelassenheit, der mich mitunter an die Ausraster des von mir hochgeschätzten Kollegen Duck erinnert. Ich kann mir das nicht erklären und werde darüber sicher noch offen und angstfrei in meiner Männergruppe reden, aber vorderhand gilt es, pragmatische Lösungen für den Alltag zu finden. Wo ist meine innere Mitte? Was tun? Kein Alkohol und keine Drogen ist auch keine Lösung.
Ein Geschenk brachte die Lösung. Ein Garten, basierend auf den Prinzipien des Zen-Buddhismus.
zengarten
Zen-Garten. Ohne Portwein Probe.
So sitze ich denn, wenn ich merke, dass mich wieder eine rote Welle voller Zorn des Gerechten (das Gute ist, ich hab immer recht) zu übermannen droht, vor meinem Zen-Garten, dekoriere die Steinchen um und ziehe mit dem Rechen eine Furche nach der anderen. Dazu nippe ich das eine oder andere Mal am Portwein und nach zwei, drei Stunden überkommt mich eine dösige innere Stille, ich bin mit mir, der Welt, dem Zech-Buddhismus und dem Portwein im Reinen.
Portwein ist ja grundsätzlich das Grandioseste, was man aus Trauben machen kann. Und man kann sehr viele sehr schöne Dinge aus Trauben herstellen. Der Abgang eines Weines wird in Caudalie gemessen, bei 50 Caudalie fangen Spitzenweine an. Große Rotweine zum Beispiel haben einen extrem langen Nachhall. Das ist aber nichts gegen Portwein. Portweinen kann man hinterhersinnieren wie einem famosen Gedanken oder einer berückenden Erinnerung. Das Schöne ist, man trinkt davon nur wenig, kein Dandy von Verstand käme auf die Idee, sich mit Portwein dem Rausch hinzugeben. Und man muss nicht nach unbezahlbaren Sternen greifen wollen, den sogenannten Vintage Ports. Meine alte Weinwirtin, Bacchus hab‘ sie selig, sagte immer: „Den Unterschied trinkste nich wech.“
Ein Nieeport im einstelligen Bereich tut’s allemal.
Mein Paradies schien also nahe.
Ohne Titel-1
Bis ich die Beschreibung des Zen-Gartens las. „Ziehen Sie Ihr Furchen, ganz nach Ihrer eigenen Lust?“ Bei soviel grenzdebiler Unprofessionalität der Verfasser dieses Machwerks, das eigene Unterbewusstsein bei der Arbeit mal fünf Minuten beiseite sein zu lassen, überkam mich der tobende Zorn des Gerechten, ich zerbrach den Rechen, trat den Sand in den Staub und schleuderte die Steine in den Garten.
Und jetzt sitz ich da mit meinen Port Pullen. Was nun?
Guten Rutsch und Prost, liebe Leserinnen.

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