27.02.2018 – Dank Herbert Ehrenberg habe ich viel Geld gespart.

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Ist der Würfel gefallen? SPD Logo im Wandel der Zeit.
Herbert Ehrenberg ist gestorben. Herbert who? Selbst Ältere werden Schwierigkeiten haben, den Mann unterzubringen. Politisch Interessierte erinnern sich schwach, der war mal was in der SPD. Herbert Ehrenberg war SPD Arbeitsminister von 1976 – 82. Dann löste ihn dieser ulkige Renten-Clown Norbert Blüm ab, den kennen die meisten noch.
Dank Herbert Ehrenberg habe ich viel Geld gespart. Vermutlich in Höhe eines Mittelklassewagens und einer Kiste Portwein. Herbert Ehrenberg war der Vater der Künstlersozialversicherung KSV. Die Künstlersozialversicherung berücksichtigt die überwiegend prekären Produktionsbedingungen von Kulturschaffenden und war für diese ein Quantensprung, was soziale Sicherung angeht. Hätte ich mich die ganzen Jahre über privat versichern müssen wie andere „normale“ Selbstständige, hätte ich zusätzlich Geld bezahlen müssen in Höhe eines Mittelklassewagens etc. pp. siehe oben. Ich habe keine Ahnung, ob das wirklich zutrifft. Ich rechne da nicht nach, mein Leben ist zu kurz für sowas. Ich weiß nur, dass es sich um nennenswerte Summen handelt, denn wenn ich mich mit „normalen“ Selbstständigen mal austausche, was man so bezahlt an Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung, werden die regelmäßig ohnmächtig vor Neid und schwören sofort nach Wiederbelebung: „Ich werde Künstler.“
Es ist schwierig, die Hürde einer Aufnahme in die KSV zu nehmen. Die KSV wird ständig von Agenten der Privatversicherung, sprich FDP, Teilen der CDU und den neoliberalen Gangstern vom Bund der Steuerzahler, unter Feuer genommen. Sie ist sicher verbesserungswürdig. Aber es bleibt dabei: Sie ist eine der zahlreichen und großen sozialen Verbesserungen, die die SPD in der Nachkriegszeit durchgesetzt hat. Natürlich alles zu wenig und alles zu spät, aber immerhin, es hatte sich was bewegt.
Bis 1982. Was dann folgte, ist Geschichte. Eine Fußnote dieser Geschichte: Herbert Ehrenberg war ursprünglich Mitbegründer des konservativen Seeheimer Kreises der SPD, das sind Leute, die deshalb nicht zur AfD wechseln, weil es in der SPD die besseren Jobs gibt. Noch.
2009 vollzog Ehrenberg einen Flügelwechsel, indem er die linksorientierte Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokraten in der SPD (AGSS) mitbegründete. Als Grund dafür gab er an, dass sich die SPD-Politik nach rechts gewandelt habe und er mit seinen bisherigen Positionen daher heute vergleichsweise links stehe. Ich vermisse Leute wie Herbert Ehrenberg in der Politik und werde ihm deshalb nachher mit einem Portwein und fröhlichen „Memento mori“ zuprosten.
Da, wo er jetzt ist, gibt es keine 5 Prozent Hürde.

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