29.03.2018 – Geld

zwille
Zwille. Von Gerhard Seyfried, 2018. Zitat aus dem „Tagesspiegel“:
„Mit den Geschichten von Zwille und Co. wurde er in den 80er Jahren zum Star der linksalternativen Szene und bekanntesten deutschen Comiczeichner. Seine Alben durften in keiner linken WG fehlen, seine knubbelnasigen Polizisten, Freaks und Weltverbesserer wurden ungezählte Male auf Flugblättern und in Schüler- und Studentenzeitungen nachgedruckt. Doch Ende der 90er Jahre kehrte Seyfried den Comics den Rücken, vor allem wegen der schlechten Bezahlung, die dem enormen Arbeitsaufwand für diese Kunstform nicht mehr gerecht wurde.“
Dass jemand wie Seyfried von seiner Arbeit kaum leben konnte, ist bezeichnend für die damalige linke Kulturszene. Heute gibt es eine solche Szene nicht mehr. Aber damals war es fast ehrenrührig, von Kulturarbeit leben zu können, überhaupt damit Geld zu verdienen. Geld, igitt.
Ich habe alles von Seyfried und mir den neuen Zwille Band natürlich sofort gekauft, als Nostalgie-Reminiszenz und Einstimmung auf mein Kreuzberg Jahr. Natürlich werde ich auch dieses Jahr wieder auf dem „Karneval der Kulturen“ meine Hüften zu Sambaklängen kreisen lassen – wenn ich’s nicht gerade im Kreuz habe – und selbstverständlich in Schwarzleder, mit finsterer Miene und geballter Faust in der Tasche auf dem „Carnival of Subcultures“ abhängen in der legendären Köpi.
Soviel „Bullenwannen“ (O-Ton Seyfried 80er) wie da auf einem Haufen habe ich sonst noch nirgendwo in den letzten 30 Jahren gesehen. Ich ziehe mich altersgemäß vor Einbruch der Dunkelheit und der Ritualkrawalle zurück. Die Bubumaschine ruft früh und vermutlich würde ich bei gutem Wetter abends auch gerne noch draussen im Britzer Schloss Restaurant speisen. Einwänden von linken, rechten und radikalen Spießerinnen der Mitte, Köpi und Britz, das würde doch überhaupt nicht zusammenpassen, würde ich entgegenhalten: Doch. Passt schon. Nur wer auf allen Hochzeiten in der Lage ist zu tanzen, kann beurteilen, wie die Musik wirklich spielt. Das kann sich natürlich nicht jede leisten. Und damit meine ich auch nicht nur die materiellen Kosten. (Das wäre übrigens die korrekte Forderung: Britz für alle!).
Für alle gutwilligen Leserinnen habe ich einen exclusiv Tipp: Das Britzer Schloss Restaurant ist der Ausbildungsbetrieb eines großen Hotels, da arbeiten nur Lehrlinge und deshalb gibt es Happe auf hohem Niveau im charmanten Ambiente zu relativ günstigen Preisen. Vielleicht sehen wir uns da mal, dann winken Sie mir gerne freundlich zu.

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