30.03.2018 – Eitelkeit

vip
Ich – an VIP Tisch.
Eitelkeit ist aus christlicher Sicht eine Todsünde. Sie wird unter Hochmut subsumiert. Die Höllenstrafe dafür: Alle Knochen werden gebrochen und man wird aufs Rad geflochten. Oje, da steht mir ja was bevor. Andere Todsünden wie Geiz und Neid sind mir fremd, aber als der liebe Gott die Eitelkeit verteilte, hab‘ ich mich zweimal angestellt. Weitere Todsünden sind z. B. Faulheit und Wollust. Da lugt doch schon gnadenlos das kapitalistische Ethos vom Triebverzicht und Fleiß durch die biblische Hintertür, Jahrhunderte bevor der Kapitalismus überhaupt in die Welt kam. So ist unter anderem auch der Erfolg des Christentums zu erklären: es definierte die Wirkmächtigkeit von gesellschaftlichen Erfolgsmodellen und setzte ethische Maßstab in die Welt, als man von sowas wie „Soziologie“ oder auch dem Sachsenspiegel und ähnlichen Codizes noch nicht mal träumte.
Bei aller Eitelkeit bin ich mir allerdings der Vergänglichkeit allen menschlichen Tuns durchaus bewusst. Wenn ich morgen tot umfalle, dreht sich die Welt trotzdem weiter und wie lange würde wohl keine Henne mehr nach mir krähen. Also tiefer hängen, mal viere gerade sein lassen und über sich selbst lachen. Gelacht habe ich jedenfalls, als ich unlängst eine Meldung in der HAZ las, wo es hieß: „Mit einem prominent besetzten Podium diskutiert Hannovers Linken-Ratsfraktion am Montag, 25. März, darüber, wie sich Obdachlosigkeit in Hannover verringern lässt. Unter anderem sind Sozialdezernentin Konstanze Beckedorf, Klaus-Dieter-Gleitze von der Landesarmutskonferenz, ein MHH-Oberarzt, ein Schuldnerberater und andere Mitdiskutanten vertreten.“
Bei der Lektüre ging es mir ungefähr wie folgt durch den Kopf: „Das hat die HAZ in meinem Sinne schon ganz ordentlich gemacht, Oberärzte und andere Subalterne werden da namentlich gar nicht weiter erwähnt. Nur, liebe HAZ: falsche Reihenfolge! Sozialdezernentinnen haben sich da hinten anzustellen.“
Mein Gelächter angesichts solch despektierlicher Gedanken vertiefte sich noch angesichts der Tatsache, dass ich am Tag des angekündigten Events ungefähr 1.500 km weiter südlich am Mittelmeer an obigem VIP Tisch saß. Was der Veranstalter seit meiner diesbezüglichen Absage vor langer Zeit wusste. Früher hätte ich mich über sowas geärgert.
Angesichts der Vergänglichkeit allen menschlichen Tuns aber orderte ich noch einen Rosé und ließ die liebe Göttin eine gute Frau sein. Schließlich steht ja Ostern vor der Tür.
Das Einzige, was mir im Moment noch Sorgen macht, ist die Sache mit der Höllenstrafe, den gebrochenen Knochen und dem Rad. Die Nummer mit dem Beichten funktioniert nämlich nicht so, wie der Volksmund glaubt: Einfach Beichten, gut ist und von vorne – oder auch hinten – weiter sündigen. Die Beichte funktioniert nur, wenn sie im Zustand tätiger Reue erfolgt (siehe auch die Strafmilderung nach § 306e StGB).
Was soll’s.
Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen, entspannte Feiertage und viel Spaß bei Ihren Lieblingssünden.

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