02.04.2018 – Frauen

frauenbild
Frauenbilder. Galerie in St. Paul-de-Vence. Ein pittoresker Ort in Südfrankreich, der auch die Fondation Maeght beherbergt. Das ist ein zauberhaft gelegener Skulpturenpark mit einer der teuersten Altmetallsammlungen weltweit. Dort stehen Werke von Calder, Giacometti, Miro, etc. sicher hunderte von Millionen wert. Das Zeug ist nicht mein Ding, klassische Formenkonservative, bei der die Zeit vor und diesseits der Popart endet, aber alles ist extrem geschmackvoll in überwältigender Natur arrangiert.
Leider hat der Besucherstrom auf den Ort ausgestrahlt und es befindet sich in St. Paul-de-Vence die mit Abstand größte Galeriendichte, die ich je auf einem Quadratkilometer gesehen habe. Diese Galerien sind ohne jede Ausnahme Orte des Grauens, eine Ansammlung von Volkshochschulkurs-Müll bis hin zu Versandhandel-Kunsthandwerksschrott. Ist die Kunst in der Fondation angenehm konservativ, so ist sie in St. Paul keine, muss unter allen Umständen sofort weg, ins All am besten, und ist im Zweifel beinhart reaktionär. Wie im Fall der oben abgebildeten Frauen, eine feuchte Altmännerphantasie von jungen, unverdorbenen Mädels mit Idealmaßen, wie sie keine Frau hat, schüchtern, aber erwartungsvoll (fehlt bloß noch der verheißungsvoll geöffnete Mund) und natürlich demütig auf den Knien vor dem Meister, alles in einen grauenhaften Naturalismus gegossen, also ob es schon das 19. Jahrhundert nicht gegeben hätte. Fluchend schüttelte ich den Staub des ansonsten wirklich sehenswerten Ortes von meinen Füßen und schickte ein Stoßgebet gen Himmel: Oh Göttin, lass Vernunft und Fortschritt regnen.
Um bald darauf vom nicht vorhandenen Regen in die Traufe zu gelangen.
Wie üblich hing ich mit einem Buddy zu Ostern in der Kirche ab, in der ich vor dem Krieg die Weihen als Messdiener erhalten hatte. Messdiener bin ich nicht mehr, zum Bischof hat’s auch nicht gereicht und mit dem Glauben ist das so eine Sache.
Besagter Buddy hängt eher einem Straight-Edge Glauben an. Was Diskussionen eher zu Satireveranstaltungen macht, denn fragt man zwei Bibelexpertinnen zur Auslegung des Lehrbuchs für angewandten Aberglauben, kriegt man vier Meinungen.
Ich halte dagegen, dass Jesus eine Frau war und Gott in Wirklichkeit eine schwarze behinderte Lesbe, was von Männern im Laufe der Jahrhunderte aus der Originalbibel zensiert und umgeschrieben wurde auf eine eindeutig Schwanzzentrierte Bibelexegese. Daraufhin werden mir regelmäßig mehrere 1000 Jahre Fegefeuer angedroht, was ich angesichts der derzeitig sibirischen Ostertemperaturen eher für eine Verheißung halte.
Es begab sich aber, dass das österliche Evangelium heuer Johannes 20/29 war und siehe, dort heißt es über das leere Grab von Jesus zu Ostern:
„… aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, …“
Als ich diese Stelle vernahm, fuhr ich elektrisiert aus meinem Phantasien hoch, in denen mir in der Hölle gerade hochhackige und bestrapste Teufelinnen mit Peitschen zusetzten.
Das war der Beweis! Das war noch eine unzensierte Bibelversion! Kaum waren die letzten Akkorde der österlich brausenden Orgel verklungen, packe ich besagten Buddy sowohl am Revers als auch am Verstand:
„Jesus war eine Frau! Die Bibel sagt es!“
Buddy: „Hä?“
Ich: „LeinenBINDEN! Da lagen Binden im Grab!“
Mein Fegefeuer-Strafmaß erhöhte sich stante pede auf mehrere Zehntausend Jahre. Hoffentlich wird es bald wärmer…
st.-paul
St. Paul, Ort der Schönheit und Ausgeburt der Hölle, Du siehst mich nicht wieder solange auch nur eine Galerie Dein Inneres beherbergt.

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