02.06.2018 – Die beste aller möglichen Welten

die beste aller möglichen welten
Lichtinstallation der Kunstfestspiele Herrenhausen.
Die Kunstfestspiele Herrenhausen sind eine Veranstaltung zur Ergötzung und Erbauung der höheren Stände. Einträchtig sitzen dort MP & OB (nein, das ist nicht das Kürzel der Kabarettgruppe „Maschinenpistolen & Tampons“, das steht für Ministerpräsident & Oberbürgermeister) in der ersten Reihe und demonstrieren Einigkeit nach außen im Rahmen eines hiesigen Skandal-Possenspiels, das mindestens einen von ihnen, wenn nicht gar beide, den Job-Kopf kosten kann. Es geht dabei um Gier, Eitelkeit, Niedertracht, Ehrgeiz und fast natürlich sind nur Macker involviert.
Ich guck mir beides, Kunstfestspiele und Possenspiel, mitunter an, genieße es und mach mir Gedanken, mitunter sogar eigene.
Die Kunstfestspiele haben einen Etat von 2,17 Millionen Euro per anno, ca. 14.000 Besucherinnen, macht 150 Euro pro Kopf. Es gab in früheren Jahren Festspiele, wo jede Künstlerin durchschnittlich weniger als 10 Zuschauerinnen hatte. Trotzdem war ich immer vehement für deren Erhalt, der gerade bei der Proll-Fraktion der SPD mitunter umstritten war.
Es braucht immer beides: Brot & Rosen, Kultur & Soziales. Die Frage ist nur, inwieweit die höheren Stände dazu ihr Scherflein beitragen. Per Umverteilung. Das geht in Richtung meines früheren Kneipenkumpels Dirk Rossmann, seinerzeit MSB Spartakus Sympathisant, heute drittreichster Niedersachse, mit einem Vermögen von ca. 3 Milliarden Euro einer der 100 reichsten Deutschen. Auch er kasperte bei den Kunstfestspielen rum. Hatte wahrscheinlich ‚ne Freikarte.
„Wir leben in der besten aller möglichen Welten“, das Motto der obigen Lichtinstallation stammt vom hannöverschen Leib- und Magenphilosophen Leibniz, eine mangels regionaler Alternativen vom hiesigen Bürgertum maßlos überschätzte Wurst, zu der ich auch schon meinen Senf gegeben habe
161114Die Leibniz Wurst HAZ
HAZ. Fachblatt für Wurst.
Zu Leibniz‘ Erkenntnis „es ist alles gut“, weil es Gottes Wille sei, die noch nicht mal von ihm ist, sagte der jüdische Aufklärer Moses Mendelsohn, der schon zu seiner Zeit massiv antisemitisch angefeindet wurde, das sei die Weltweisheit der Faulen; denn was ist fauler, als sich bei einer jeden Naturbegebenheit auf den Willen Gottes zu berufen..“.
Heute haben wir keinen Mendelsohn mehr. Wir haben das Holocaust-Denkmal in Erinnerung daran, dass wir seine Nachkommen ermordet haben.
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Jugendliche tollen auf dem Holocaust Denkmal herum.
Ich finde es natürlich gut, dass dieses Denkmal unserer Schande mitten im Herzen Berlins einen kleinen Stachel setzt. Sonderlich anrühren tut es mich nicht. Es ist mir zu abstrakt.
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Anders das Mahnmal „Gleis 17“ . Es erinnert an die tausende Juden, die von diesem Gleis im Bahnhof Grunewald mit Zügen der Deutschen Bahn aus Berlin deportiert wurden.
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Auf Stahlplatten stehen in endloser Reihe Datum und Anzahl der Juden, die von dort aus in die Vernichtungslager deportiert wurden.
Nach dem Besuch des Mahnmals brauchte ich lange, um in meinen üblichen Berlin-Rhythmus zu finden, heiter, beschwingt, neugierig auf Neues, mit dem Gefühl im Gemüt, dieses sei die beste meiner möglichen Welten.
Nein, wir leben nicht in der besten aller möglichen Welten. Wir entfernen uns immer mehr selbst von einer vorstellbar guten.
Ihnen, liebe Leserinnen, ein heiteres und entspanntes Wochenende.

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