08.07.2018 – Der Wüstenplanet


Greenpeace-Aktivisten hatten Ende Juni die Straßen rund um die Berliner Siegessäule mit gelber Farbe so gefärbt, dass der Verkehrsknotenpunkt aus der Luft wie eine Sonne aussah. Insofern ist mein Foto eine rare Perspektive, weil es den Blick auf den Fernseh-Turm mit Farbresten zeigt, die an ein abstraktes Gemälde aus den Fünfzigern erinnert. Abstrakt war damals die vorherrschende Kunstrichtung, nannte sich Informel und war durch zwei Dinge gekennzeichnet: durch den Spruch von Frieda Normalverbraucherin beim Anblick eines solchen Bildes: Das kann mein Neffe aus der vierten Klasse auch.
Und durch die Unfähigkeit der Pinselquäler, sich künstlerisch und politisch mit dem gerade zurückliegenden Faschismus auseinanderzusetzen. Sozusagen in Öl gegossene Feigheit. Wir mussten ja damals aufbauen und da waren Störungen nicht erwünscht. Höchstens kleinere Verstörungen, siehe Frieda.
Heute bauen wir ab, und zwar gleich einen ganzen Planeten, und da ist eh alles egal.
Ob da Pinselquäler stören wollen, was explizit nicht der Fall ist, oder in Kassel fällt ne Leinwand von der Documenta Wand, das läuft auf das Gleiche raus. Es juckt niemanden. Oder können Sie sich noch an ein Kunstwerk der letzten Documenta erinnern, an einen Diskurs, den die hervorgerufen hat?
Was bleibt, ist meine kindliche Freude an einem gelungenen Schnappschuss und die Spannung darauf, ob es tatsächlich in den nächsten Tagen regnet. Ich weiss garnicht mehr, wie sich Regen anfühlt. Dafür sind Leute in anderen Regionen in sintflutartigen Sturzbächen ersoffen.
Es gab mal einen Hippie Science-Fiction Roman „Der Wüstenplanet“, verquastes, Drogengeschwängertes Geschwafel, der auch verfilmt wurde, mit Sting, glaube ich. Wir sind gerade bei der Umsetzung von Teil 2: Wüstenplanet BRD.
Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, liebe Leserinnen, aber ich finde es spannend, in einem Film, einem Blockbuster mit 80 Millionen Zuschauerinnen, mitzuwirken.

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