02.08.2018 – Auf der Trebühne


Keine Flaschen mit auf die Trebühne nehmen.
Die Rechtschreibreform hatte Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch. Mich hat die selten berührt. Ob Schifffahrt nun mit sechs f geschrieben wird oder der erweiterte Ablativ mit Doppelsemikolon abgetrennt wird, darüber sollen kleine Geister entscheiden. Für Korrekturen ist bei mir der Praktikant zuständig oder ein entsprechender Bot. Ich halte es mit dem Geheimrat, dem es eher darauf ankam, dass die Leser*innen verstehen, was gemeint ist.
Spannend an der Sprachentwicklung finde ich grundsätzliche strukturelle Veränderungen. Also wo zum Beispiel qua Sprache Macht ausgeübt und tradiert wird und wie die Gesellschaft darauf reagiert, siehe Gender-Sprache. Auch hier bin ich Avantgarde, das diskutiere ich nicht mehr. Vor allem deshalb, weil für wache Geister die Reise eh klar ist: in Wissenschaft, Verbandsinternem Verkehr (eine erregende Formulierung) und Publikationen hat sich das „*“ durchgesetzt, das feminine Binnenmajuskel, das ich früher benutzte, stirbt aus. Es ist also klar, wie die alten weissen (nicht: weisen!) Duden-Männer irgendwann entscheiden.
Spannend finde ich auch die Entwicklung von Sprache als Bedeutungsträger über die zweidimensionale Ebene der Buchstaben hinaus und ihren Wandel im Blick auf ihre veränderte mediale Eingebundenheit Also zum Beispiel die Einbindung von Icons auf bestimmten Ebenen jenseits des Behördenverkehrs. Oder wie komprimiere ich Inhalte auf der Ebene der sozialen Medien. Es gab ja mal zu Zeiten der seligen SMS Schreibwettbewerbe für Geschichten mit maximal 160 Zeichen.
Die Frage, was die hier skizzierten Veränderungen für gesellschaftliche Funktionen haben, finde ich spannend. Was die Duden-Nachtmützen vor sich hinschnorcheln eher nicht.

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