15.09.2018 – Einer der zahlreichen ungekrönten Tiefpunkte meines Lebens


Linken-Demo in Berlin für bezahlbare Mieten am 14.09.
Das Wohnungsproblem ist existentiell. Nach Wohnen kommt die Strasse. Dieses Problem betrifft direkt allein in Berlin Hunderttausende, die Angst haben müssen, mit den Mieten nicht mehr Schritt halten zu können. Bei der Linken Demo, mit den Parteioberen Riexinger (Bild oben am Transpi), Katja Kipping und der Berliner Bausenatorin Lompscher waren keine 300 Teilnehmerinnen. Ich wollte eigentlich auf dem Absatz kehrt machen, so frustriert war ich, so grotesk fand ich diese Unfähigkeit nicht nur von Berlinerinnen, für eigene existentielle Interessen Flagge zu zeigen.
Wenn in der Ostzone zur Menschenjagd geblasen wird, sind jederzeit Tausende auf der Strasse. Das reale Problem, das dieser Mob hat, ist auf einer ganz anderen Ebene existenziell. Es ist der Hass auf sich selbst, auf ein erbärmliches, verpfuschtes Leben, das lebendige Selbstäusserung nur zulässt in der Bedrohung und Vernichtung allen Fremdens.
Was für ein Volk.
Dieser so von mir wahrgenommene Zustand des Menschengeschlechts, bei dem die Betonung auf der letzten Silbe liegt, verursachte mir bei der Demo, wo ich dann doch mitlatschte,erste Depressionen. Die sich zu dunklen Wolken am Seelenhimmel auswuchsen, als ich realisierte, dass ich da niemandem kannte. Nicht überraschend, in einer doch immer noch ziemlich fremden Millionen-Stadt. Aber auf einer Demo allein abzuhängen, ohne lästern zu können, ist ein Gefühl, das eher nicht Vergnügungssteuerpflichtig ist. Meinen Rucksack mit der Notfallration erlesenen Schlehenbrand im Flachmann aus Silber hatte ich auch nicht am Mann. Das Ganze drohte zu einem der zahlreichen ungekrönten Tiefpunkte meines Lebens zu werden, durch Beobachtungen am Rande keineswegs erhellt, wie dieser hier

Obdachloser, der sein Quartier auf dem „Grün“streifen einer viel befahrenen Hauptstraße bezogen hat. Vermutlich, weil er da vor Gewalt gegen Obdachlose besser geschützt ist.
Was für eine Welt.
Der folgende Blick auf ein Werbebanner an einer Zugbrücke hatte dann schon etwas erheiternd-surreales

Sie sind am Ziel.
Und als ich dann doch dieses wärmende Gefühl in der Magengegend verspürte namens Solidarität, das links unten verortet ist, wo die Schmetterlinge im Bauch ihren Platz haben, wusste ich: es war kein glänzender Tag, aber zumindest ein lebendiger. Und angesichts der Tatsache, dass ich heute auf einem Weinfest in Berlin-Britz abhänge, wo ich Pate von 10 Berliner Weinreben bin zwecks Förderung des Berliner Weinanbaus,besteht Aussicht auf Licht am Tunnel. Ihnen, liebe Leserinnen, ein lebendiges Wochenende. Denken Sie dran: Tot sind Sie noch lange genug.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.