04.10.2018 – Was hat eine tiefstehende Sonne im Frühherbst Tröstliches an sich?


Vor nicht einmal 14 Tagen stand ich morgens im Garten, mit nichts umhüllt als der Milde einer Nacht vom Rest eines überwältigenden Sommers, saugte dieses Gefühl in mich auf, wissend um seine Begrenztheit, und wollte es nicht mehr loslassen.
Aber wie das so ist mit dem Loslassen, wenn ich jetzt so morgens im Garten stünde, käme ich aus dem Bibbern gar nicht mehr raus, und das Gefühl ist zermahlen von der Handschuhkälte des Frühherbstes. Das ist einer der übelsten Zäsuren im Jahr: Das erste Mal wieder Handschuhe auf dem Fahrrad, bei mir bei unter 10 Grad. Dann rechne ich immer mit den Fingern nach, aber es kommt jedes Mal dasselbe bei raus: Noch sechs Monate bis zum Frühling, wo die Seele wieder aufjubelt.
Mein Jahresplan erfuhr eine jähe Wende. Ab in den Süden, sofort, wo das Mittelmeer noch tröstliche 24 Grad Wassertemperatur hat, die Strände leer sind und die Sonne wärmt. Ich streifte meine Handschuhe ab und besorgte mir in der Drogerie Sonnenmilch. Dieser Akt erwärmte mein Gemüt. Ich radelte weiter, Gedanken zogen fröhlich frei flottierend durch meinen Schädel. Radln ist für mich Therapie, Sport und Arbeit zugleich. Da erzähle ich mir, was mich so bewegt, und höre mir ab und zu auch zu, wie ein guter Therapeut, vor Sitzungen gehe ich noch mal das allfällige Gelaber durch, was mich da erwartet, und manchmal, an Steigungen, erhöhe ich die Frequenz, um in Schweiß zu kommen. In Berlin schenke ich mir das alles natürlich, wer da eine Sekunde unkonzentriert ist, der kann seinen Schädel gleich vom nächsten Rechtsabbieger-LKW planieren lassen, mit Abstand die häufigste Todesursache bei Radunfällen in Berlin, von denen es nicht wenige gibt. Ein elektronisches Toter-Winkel-Warnsystem für LKWs kostet ca. 3.000 Euro, das ist den Spediteuren aber zu teuer. Jetzt wissen wir also, was ein Radfahrerleben wert ist: < 3.000 Euro. Alltäglicher Kapitalismus. Und damit wären wir bei der SPD. Über die, die Gendersprache und den Fußball wollte ich in diesem Blog eigentlich kein Wort mehr verlieren. Irgendwann ist dann auch mal gut und die Dinge sind gesagt oder haben sich erledigt. Bei SPD und Gendersprache klappt das, mein Zorn des Gerechten hat allerdings in Sachen Fußball neue Nahrung gekriegt durch die Vergabe der EM 2024 nach Deutschland. 2021 sind Bundestagswahlen und wenn ich mir vorstelle, dass ein eventueller AFD-Innenminister (Maaßen oder ähnlicher) die Bühne einer EM nutzt für den nationalistischen Dreck, den dieses Pack propagiert, dann kann ich nur hoffen, dass sich die Ostgoten wieder so blamieren wie bei der WM (was mir bei meiner allfälligen Wette wieder einen Urlaub finanzieren würde). Der Titelgewinn der BRD 1990 produzierte in Tateinheit mit der Annexion der Ostzone eine Nationalismus-Welle, in deren Gefolge Ausländerinnen hier ihres Lebens nicht mehr sicher waren. Zahlreiche Flüchtlingsheime brannten, mit Toten. Und wo sind wir 2024? Ich bin gespannt, wie die Fußballwesen, die ihren Verstand und Anstand noch nicht versoffen haben, dann eine Unterstützung dieser Mob-Mobilisierung rechtfertigen. Womit die Eingangsfrage aber immer noch nicht beantwortet wäre.

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