05.10.2018 – Neues vom Zeichner


Hommage an F. W. Bernstein, von Thomas Stethin.
Und Neues von der Kunst. Eben lese ich, dass Gerhard Richter vom neuen Film von Donnersmarck, der an seine Leben angelehnt ist (bezeichnende Formulierung, etwas, das angelehnt ist, ist schwach und steht schief), nicht angetan ist. Ich habe über den Film gelesen und eher gucke ich mir 6 Stunden am Stück den Haufen Hundekacke vor meiner Tür an als ein derartiges Machwerk. Da soll Donnersmarck unter anderem in einer Parallelmontage den Tod einer Protagonistin in der Gaskammer von Auschwitz mit einer Bildfolge der Bombardierung von Dresden verschneiden. Den Tod in der Gaskammer zu zeigen, finde ich persönlich krank. Nicht umsonst ist das Funktionieren von Zivilisation eng mit Tabus verbunden, ohne Tabus funktioniert Gesellschaft nicht, und wenn es in der Kunst ein Bildertabu geben sollte, dann das. Mit dem Schielen nach Hollywood so die Würde der Opfer zu verletzen, wie abartig muss ein Mensch sein, um das inszenieren. Und als ob das nicht genug wäre, wird der Angriff auf Dresden dazu ins Verhältnis gesetzt, in eine exkulpierende Gleichwertigkeit. Die Deutschen waren böse, schön und gut, aber die Amis und der Tommy, die haben auch genug Dreck am Stecken, und letzten Endes sind wir Deutschen die Opfer, das ist die Donnersmarck Message.
Sind wir nicht. Und der Holocaust war ein einzigartiges Menschheitsverbrechen, vollkommen unvergleichbar mit allem anderen, während Dresden ein „normales“ Kriegsverbrechen war. Beim Feuersturm in Hamburg beispielsweise waren die Opferzahlen höher und zur Erinnerung: Den modernen Bombenterror mittels Flugzeug hat das Deutsche Reich in Guernica entfesselt und mit den Luftangriffen 1940 auf London und Coventry den Startschuss für den Bombenkrieg gegeben.
Wer nach dem kulturellen Soundtrack unserer sich verändernden Gesellschaft sucht, wird bei Florian Henkel von Donnersmarck fündig. Fortsetzung folgt.
Was für ein Tagesauftakt. Ich könnte kotzen.
Was bleibt, ist die Freude an meiner überaus üppigen Himbeerernte

Meine Himbeerernte.
Und so wie diese üppigen Beeren reift auch mein aktuelles Kunstprojekt immer mehr, eine größere Intervention auf diversen Genre-Ebenen, von Intervention über Skulptur bis hin zu Video, gemeinsam mit anderen. Wer will, wird lachen können, und wer kann, wird die politische Botschaft lesen. Das tröstet in Zeiten grassierender Niedertracht.
Ok, die bevorstehende Reise ans Mittelmeer tröstet mich auch. Und die Sonne am Wochenende auch. Und dass Hannover 96 Letzter in der Bundesliga ist, auch. Und dass Seehofer nächste Woche von seinen Parteifreunden den Dolch in den Rücken kriegt, auch.
Und der LBV Port von Nieeport hinten im Regal auch. Also Fazit: Die Welt ist beschissen, das Leben ist schön.
Da sehen Sie mal, liebe Leserinnen, wie man im Schreiben die Kurve kriegen kann, Schreiben als therapeutischer Akt. Schönes und sonniges Wochenende.

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